3. Himmelsquartal - Volkssternwarte Langwedel

Northern Lights
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Aktuelle Sternkarte für Mitteleuropa

Aktuelle Sternkarte für Mitteleuropa von Astronomie.de Ein Service von www.Astronomie.de
Das dritte Himmelsquartal 2022
Perseiden / Komet C/2017 K2 (PANSTARRS)

Sternhimmel
Hoch im Süden des Meridians sehen wir nun wieder deutlich das Sommerdreieck, welches aus den Sternen Deneb im Schwan, Wega in der Leier und Atair im Adler gebildet wird. Die Sommermilchstraße bettet diese drei Sternbilder vollkommen ein und schlängelt sich weiter nach Süden in den Schützen, wo dann auch das Zentrum unserer Milchstraße zu finden ist. Da es aber von dichten Staub- und Gasmassen verdeckt wird, kann man das Zentrum nur auf indirekten Wegen beobachten; z.B. mit Infrarot- oder Röntgenteleskopen. Oder wie vor kurzem mit dem Event Horizon Teleskop, mit dem man uns das schwarze Loch im Zentrum unserer Heimatgalaxie präsentiert hat! Westlich der Milchstraße finden wir noch die Frühlingssternbilder Bootes und Krone. Außerdem den Herkules und den großen Schlangenträger. Der Skorpion beginnt sich bereits wieder hinter die ersten Baumwipfel zu verstecken. Östlich vom Sommerdreieck kündigen sich schon die ersten Sterne der Herbststernbilder Pegasus und Wassermann an. Der Große Wagen ist bereits wieder auf dem Weg zum nördlichen Horizont und Kassiopeia – das Werder-W – erhebt sich langsam wieder von dort. Passend zum Wiederaufstieg unserer Mannschaft in die erste Liga!
Meteore
Vom 12. Juli bis 19. August wird dieser beindruckende Sternhimmel von den den Delta-Aquariden verziert, die in der Nacht vom 28. auf den 29. Juli ihr Maximum haben werden. Mit einer ZHR von etwa 20 Objekten pro Stunde sind sie nicht besonders ergiebig, aber sie bieten bei einer Eintrittsgeschwindigkeit von 40 km/s trotzdem eine spektakuläre Show. Ihren Ursprung haben diese Sternschnuppen im Kometen 96P/Machholz und dem Planetoiden 2003 EH1. Das Highlight des Quartals sind aber die Perseiden, die vom 17. Juli bis 24. August aktiv sind und auch „Laurentiustränen“ genannt werden – in Erinnerung an den Märtyrer Laurentius, der am 10. August 258 auf einem glühenden Rost zu Tode gefoltert wurde und dabei Tränen über die Sünden seiner Mitmenschen vergossen haben soll. Mit einer ZHR von 100 Objekten pro Stunde wird das Maximum der Perseiden in der Nacht vom 12. auf den 13. August stattfinden. Ihren Ursprung haben diese Sternschnuppen im Kometen 109P/Swift-Tuttle.

Planeten
Am 20. Juli wird Pluto mit einer Helligkeit von 14m3 im Sternbild Schütze rund 4° nördlich vom 4m7 Stern ω-Sgr in Opposition stehen. Der bis 2006 äußerste Planet unseres Sonnensystems mit der Kleinplanetennummer 134.340 ist dann rund 5 Milliarden Kilometer von uns entfernt. Sein Licht ist dann 4 Stunden und 39 Minuten unterwegs zu uns. Mindestens einen 10-Zöller sollte man nutzen, um ihn visuell aufzusuchen. Fotografisch ist er bereits in kleineren Instrumenten nachweisbar.
Der Ringplanet Saturn wird am 14. August im Sternbild Steinbock mit einer Helligkeit von 0m3 in Opposition stehen. Rund 13,9° ist sein Ring dieses Jahr uns gegenüber geöffnet und hat einen Längsdurchmesser von 42,6“. Hierbei blicken wir auf die Nordseite des Ringsystems. Die Saturnkugel ist durch die schnelle Rotation stark abgeplattet und hat somit einen Poldurchmesser von 16,9“ und einen Äquatordurchmesser von 18,8“! Bei einer Entfernung von 1,3 Milliarden Kilometern braucht sein Licht 1 Stunde und 14 Minuten zu uns. Schon mit einem Vierzöller kann man auf seiner Oberfläche ein breites, gräuliches Wolkenband erkennen und die Cassinische Teilung in seinem Ringsystem! Außerdem kann man den Lauf seines größten Mondes Titan beobachten.
Der 1846 von Johann Gottfried Galle entdeckte bläuliche Gasplanet Neptun erreicht am 17. September seine diesjährige Opposition. Mit einer Helligkeit von 7m8 und einem scheinbaren Durchmesser von 2,4“ kann man mit herkömmlichen Amateurteleskopen keine Details auf seiner Oberfläche erkennen. Allerdings kann man ab einer Öffnung von 300mm mit Aussicht auf Erfolg auf die Suche nach seinem größten Mond Triton gehen! Am Oppositionstag trennen uns rund 4,3 Milliarden Kilometer von ihm und sein Licht ist dann 4 Stunden und 27 Minuten zu uns unterwegs!
Jupiter wird am 26. September mit einer Helligkeit von -2m9 in Opposition zur Sonne stehen. Auch seine Planetenkugel ist durch seine schnelle Rotation stark abgeplattet. Sein Poldurchmesser beträgt 46,7“ und sein Äquatordurchmesser beträgt 50“. Mit einem Vierzöller kann man viele verschiedene Wolkenbänder in seiner Atmosphäre erkennen sowie den Großen Roten Fleck. Interessant ist es auch den Lauf seiner vier größten Monde Io, Europa, Ganymed und Kallisto zu verfolgen. Am Tag der Opposition trennen uns 591 Millionen Kilometer von ihm.
 
Um sich die gewaltigen Ausmaße unseres Sonnensystems zu veranschaulichen, besteht seit neuesten zwischen Verden-Dauelsen und Daverden die Möglichkeit auf dem Planetenlehrpfad der Volkssternwarte Langwedel e.V. am Weser-Radweg die Dimensionen entweder sozusagen mit dem Fahrrad zu „erfahren“, oder einfach zu „erwandern“!

Planetoiden
Fünf Kleinplaneten können in diesem Quartal gut beobachtet werden, da sie zu ihrer Opposition mindestens eine Helligkeit von 10m0 erreichen werden. Den Anfang macht (14) Irene am 6. Juli im Sternbild Schütze. Sie wurde am 19. Mai 1851 von John Russel Hind entdeckt und hat einen Durchmesser von 182 Kilometer. Sie wurde nach der Hore Eirene, die die Verkörperung des Friedens darstellte, benannt. Am 20. Juli wird (9) Metis ebenfalls im Sternbild Schütze in Opposition stehen. Sie wurde am 25. April 1848 von Andrew Graham am Markree Observatorium entdeckt und hat einen Durchmesser von 190 Kilometer. Sie wurde nach der Mutter der Pallas und der Athene benannt. Am 29. März 1807 wurde (4) Vesta von Wilhelm Olbers in Bremen entdeckt und steht am 22. August im Wassermann in Opposition. Ihre Ausmaße betragen 573x557x446 Kilometer und sie wurde nach der römischen Göttin von Heim und Herd und der Schwester der Ceres benannt. (3) Juno erreicht am 7. September ebenfalls im Wassermann ihre Opposition. Sie wurde am 1. September 1804 von Karl Ludwig Harding in Lilienthal entdeckt und hat einen Durchmesser von 257 Kilometer. Benannt wurde sie nach der höchsten römischen Göttin. Als letzte erreicht (216) Kleopatra ihre Opposition im Sternbild Pegasus. Sie wurde am 10. April 1880 vom österreichischen Astronomen Johann Palisa in Pula entdeckt und hat die Ausmaße 219x94x84 Kilometer. Benannt wurde sie nach der altägyptischen Herrscherin Kleopatra. Alle zur Beobachtung relevanten Daten der beschriebenen Planetoiden habe ich in Tabelle 1 zusammengestellt.

Tabelle 1: Daten der beschriebenen Kleinplaneten
Planetoid
Datum
RA
Dekl.
Mag.
Konst.
(3) Juno


(4) Vesta


(9) Metis


(14) Irene


(216) Kleopatra

05.09.
10.09.
15.09.
20.08.
25.08.
30.08.
15.07.
20.07.
25.07.
01.07.
05.07.
10.07.
10.09.
15.09.
20.09.
23h04m
23h00m
22h56m
22h23m
22h19m
22h14m
20h12m
20h07m
20h01m
19h11m
19h07m
19h02m
22h55m
22h52m
22h48m
-03°26´
-04°25´
-05°26´
-19°45´
-20°23´
-20°58´
-26°54´
-27°18´
-27°40´
-26°50´
-27°10´
-27°35´
+11°58´
+11°09´
+10°16´
7m9
7m9
8m0
6m1
6m1
6m2
9m8
9m7
9m7
9m9
9m8
9m9
9m9
9m8
9m8
Aqr


Aqr


Sgr


Sgr


Peg
Kometen
Der Komet C/2017 K2 (PANSTARRS) wurde am 21. Mai 2017 am Haleakala-Observatorium auf Hawaii entdeckt, als er noch eine Entfernung von 2,4 Milliarden Kilometer zu uns hatte; also noch weiter von uns entfernt war als Saturn! Sein Perihel (sonnennächster Punkt) durchläuft er am 19. Dezember 2022 in einer Entfernung von 1,8 AE zur Sonne. An unserem Sternhimmel wandert er vom 1. Juli bis 15. August vom Schlangenträger langsam ins Sternbild Skorpion und steigert seine Helligkeit in diesem Zeitraum von 7m3 auf 6m8 und kann somit bereits mit einem 10x50 Fernglas an einem dunklen Beobachtungsplatz aufgesucht werden bis er dann letztlich hinter dem südlichen Horizont verschwinden wird! Vorher wird es in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli noch zu einer engen Begegnung mit dem Kugelsternhaufen M 10 kommen, in der sich der Komet bis auf rund 27 Bogenminuten an den Kugelsternhaufen herantasten wird! In Tabelle 2 finden wir ein paar relevante Positionsangaben für diesen Beobachtungszeitraum.

Tabelle 2: Daten des Kometen C/2017 K2 (PANSTARRS)
DatumRADekl.Mag.Konst.
01.07.
15.07.
30.07.
15.08.
17h25m
16h56m
16h29m
16h09m
+01°56´
-03°32´
-09°53´
-16°26´
7m3
7m0
6m9
6m8
Oph
Oph
Oph
Sco

Abb.1: Bahn des Kometen C/2017 K2 (PANSTARRS) über dem südlichen Horizont


Abb. 2: Begegnung mit M 10
Mondlose Zeit
Zur Beobachtung der beschriebenen Erscheinungen und der Deep-Sky-Objekte in den Konstellationen Fuchs und Pfeil benötigen wir natürlich wieder einen dunklen und mondlosen Himmel. Diese Zeiten habe ich in Tabelle 3 zusammengestellt.

Tabelle 3: Mondlose Zeit
bis 4. Juli
20. Juli bis 5. August
19. August bis 3. September
ab 19. September
Deep-Sky-Objekte
Unser erstes Beobachtungsobjekt finden wir, indem wir mit einem 10x50 Fernglas rund 3,2° vom Stern γ-Sge in nördliche Richtung wandern. Dort im Sternbild Fuchs finden wir ein relativ helles und ovales Wölkchen, welches ziemlich diffus wirkt. Hierbei handelt es sich um den planetarischen Nebel M 27, der am 12. Juli 1764 von Charles Messier entdeckt wurde und wegen seiner Form in Teleskopen auch Hantelnebel genannt wird. Er hat einen Durchmesser von 3 Lichtjahren und ist 1280 Lichtjahre von uns entfernt. Bereits in einem Teleskop mit einer Öffnung von gerade mal 60mm kann man bei einer Vergrößerung von 46x die Hantelform erkennen! In meinem Achtzöller ist bei einer Vergrößerung von 83xWw+OIII(-Filter) die „Hantel“ wesentlich besser zu sehen und sogenannte „Ohren“ sind dann ebenfalls sehr schön zu sehen.


M 27: 3 x 4min bei 1600 ASA plus CLS-Filter fokal am 16-Zöller mit einer Canon EOS 20Da
© Andreas Kaczmarek
Das nächste Objekt finden wir etwas südlich der Verbindungslinie γ-Sge und δ-Sge im Sternbild Pfeil. Hierbei handelt es sich um den Kugelsternhaufen M 71, der 1745 von de Chéseaux entdeckt wurde. Er ist 13.000 Lichtjahre von uns entfernt, hat einen Durchmesser von 36 Lichtjahren und ist etwa 9-10 Milliarden Jahre alt. Mit meinem 8-Zoll Newton ist er bei einer Vergrößerung von 80x bei indirektem Sehen bereits bis zum Kern hin aufgelöst!


M 71: 3 x 3min bei 800 ASA fokal am 16-Zöller ohne Filter
© Andreas Kaczmarek
Fernrohrzeichnung von M 27; © Andreas Kaczmarek
Ein weiteres sehenswertes Objekt finden wir 3,8° nordwestlich vom Stern α-Sge im Sternbild Fuchs. Hier finden wir bereits mit einem 10x50 Fernglas die zufällige Sternanordnung (Asterismus) Cr 399, die, wenn man sie vertikal gespiegelt betrachtet (im astronomischen Teleskop), wie ein Kleiderbügel aussieht und dessen Sterne unterschiedlich weit von uns entfernt sind! Dieser sogenannte „Kleiderbügelhaufen“ besteht hauptsächlich aus 10 Mitgliedsternen. Der Name kommt ursprünglich vom Astronomen Per Collinder aus dem Jahre 1931, der damals seinen fundamentalen Katalog der Sternhaufen herausbrachte. Mit meinem 4-Zoll Refraktor kann man bei einer Vergrößerung von 31xWw noch gerade den Kleiderbügel erkennen. Schwenkt man einen Vierzöller nun 17´ weiter östlich vom östlichsten Stern 7-Vul des „Kleiderbügelhaufens“, kommt man zum kleinen offenen Sternhaufen NGC 6802, der am 11. Juli 1784 von William Herschel ebenfalls im Sternbild Fuchs entdeckt wurde und 3650 Lichtjahre von uns entfernt ist. Das Licht seiner Sterne wird von vorgelagerter interstellare Materie stark gerötet. Bei V=53xWw ist er im Vierzöller ein sehr kleiner und relativ heller Haufen, der bei indirektem Sehen körnig erscheint.


Cr 399 & NGC 6802: 5 x 1min bei ISO 1600 mit 200mm (5,6) und Star Adventurer mit einer Canon EOS 20 Da
© Andreas Kaczmarek
Unser letztes Objekt für heute Abend finden wir, wenn wir unser Teleskop entweder 3,8° westnordwestlich von M 27 schwenken, oder zunächst von M 27 rund 2° westlich bis zum 4m8 Stern 12-Vul wandern und dann in nordwestliche Richtung abbiegen, wo wir nach weitere 1,9° beim offenen Sternhaufen NGC 6823 im Sternbild Fuchs ankommen, der am 17. Juli 1785 von William Herschel entdeckt wurde. Er ist 6.200 Lichtjahre von uns entfernt und hat einen Durchmesser von 50 Lichtjahren. Vor etwa 2 Millionen Jahren ist dieser Sternhaufen entstanden und sogar heute werden dort noch neue Sterne aus dem Emissionsnebel Sh2-86 geboren, der den gesamten offenen Sternhaufen einhüllt und auch die Katalognummer NGC 6820 trägt. Im 17,5-Zöller ist diese Objektkombination bei einer Vergrößerung von 63xWw ein sehr heller und großer Sternhaufen mit wenigen Mitgliedern, der eingebettet ist im Gasnebel NGC 6820. Dieser Gasnebel ist im Bereich des Sternhaufens am hellsten und dort kann man auch Dunkelwolken erkennen! Bei V=63xWw+OIII(-Filter) ist der Nebel ist sehr hell und groß.


NGC 6820/23: 20 x 3min bei ISO 2500 plus CLS-Filter und MPCC M3 mit Canon EOS 70Da fokal am 8-Zöller
© Andreas Kaczmarek
Ich wünsche wieder viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!

Die Aufsuchkarten entstanden mit Guide 9.0 und Sky Safari

Tabelle 4: Daten der beschriebenen Deep-Sky-Objekte in den Sternbildern Pfeil und Fuchs
Objekt
RA
Dekl.
Dimension
Mag.
Art
M 27
M 71
NGC 6802
NGC 6820/23
Cr 399
20h00m
19h54m
19h31m
19h43m
19h25m
+22°43´
+18°47´
+20°16´
+23°17´
+20°11´
7m3v
8m0v
8m8
3m6
>348“
7,2´
3,2´
40 x 30´
60´
PN
KH
OH
GN/OH
Asterismus
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Vorsitzender:
Andreas Kaczmarek

Tel. 0152 / 55662836
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