1. Himmelsquartal - Volkssternwarte Langwedel

Northern Lights
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Aktuelle Sternkarte für Mitteleuropa

Aktuelle Sternkarte für Mitteleuropa von Astronomie.de Ein Service von www.Astronomie.de
Das erste Himmelsquartal 2022
Venus in größtem Glanz / Komet 19P/Borrelly im Perihel

Sternhimmel
Nach Einbruch der Dunkelheit erwartet uns über dem südlichen Horizont wieder das große Wintersternbild Orion. Etwas unterhalb seiner Gürtelsterne sehen wir bereits mit einem 10 x 50 Fernglas den berühmten Orionnebel. Südlich seines Fußsterns Rigel kann man in einer sehr klaren Nacht auch das unscheinbare Sternbild Hase erkennen. Südöstlich des Orion sehen wir den hellsten Fixstern des Sternhimmels Sirius im Sternbild Großer Hund. Wandern wir weiter nordnordöstlich, kommen wir zum Hauptstern des Kleinen Hund Procyon. Nördlich von ihm findet man die Zwillinge mit dem Stern Pollux. Nun geht es weiter nordwestlich, bis wir beim Sternbild Fuhrmann mit seinem Hauptstern Kapella sind. Von hier geht es südwestlich in den Stier mit dem rötlichen Hauptstern Aldebaran. In südsüdöstliche Richtung kommen wir zu unserem Ausgangspunkt Rigel zurück. Diese sechs Sterne bilden das große Wintersechseck. Sämtliche Herbststernbilder haben sich natürlich bereits weit in den Westhimmel zurückgezogen. Letzte Erinnerung der vergangenen Jahreszeit bildet die Sternkette der Andromeda mit der berühmten Andromedagalaxie knapp über dem westlichen Horizont und das Sternbild Kassiopeia, welches aber bekanntermaßen zirkumpolar ist und somit das ganze Jahr über in unseren Breiten zu sehen ist. Am östlichen Sternhimmel kann man bereits den Löwen als Boten der kommenden Jahreszeit erkennen. Zwischen ihm und den Zwillingen kann man in einem guten Fernglas den großen offenen Sternhaufen Praesepe, auch M 44, im Sternbild Krebs bewundern. Am Nordosthimmel beginnt der Große Wagen nun wieder seine Fahrt in Richtung Zenit. Tief am Nordhimmel findet man den Drachen und Teile des Schwans, dessen heller Hauptstern Deneb knapp über den nördlichen Horizont kratzt.
Meteore
Vom 1. bis 5. Januar wird dieser sehenswerte Sternhimmel von den Sternschnuppen der Quadrantiden verziert, die ihr Maximum am 3. Januar mit einer ZHR von bis zu 110 Objekten pro Stunde haben werden! Ihr Ausstrahlungspunkt (Radiant) befindet sich im Sternbild Bootes, warum sie gelegentlich auch Bootiden genannt werden. Der aktuelle Name leitet sich vom ehemaligen Sternbild Mauerquadrant ab. Als Ursprungsobjekt gilt der Asteroid 2003 EH 1, der ein zerfallener Überbleibsel eines ehemals größeren Kometen sein soll. Es wurde auch festgestellt, dass der Komet C/1490 Y1 die gleiche Umlaufbahn hat wie die Quadrantiden. Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 40 km/s bewegen sie sich mit mittlerer Geschwindigkeit am Sternhimmel.

Planeten
Vom 2. bis 13. Januar kommt es zu einer bescheidenen Abendsichtbarkeit des sonnennahen Planeten Merkur. Bereits am 9. Januar erreicht er seine Dichotomie (Halbphase) mit einem scheinbaren Durchmesser von 7,2“ in einer Horizonthöhe von etwa 6° am frühabendlichen Südwesthimmel. Seine Helligkeit sinkt im angegebenen Zeitraum von anfangs -0m7 auf 0m2 am Ende der Sichtbarkeit.
Unser Nachbarplanet Venus steht bereits am 9. Januar 2022 mit einem scheinbaren Durchmesser von 61“ in unterer Konjunktion mit der Sonne, befindet sich dann 5° nördlich von dieser und nur 40 Millionen Kilometer entfernt von uns als sogenannte Neuvenus. Am 12. Februar steht sie dann am Morgenhimmel mit einer Helligkeit von -4m3 im größten Glanz und in größter westlicher Elongation.

Planetoiden
Der Kleinplanet (7) Iris wird am 13. Januar im Sternbild Zwillinge in Opposition zur Sonne stehen. Sie wurde am 13. August 1847 von Hind entdeckt und hat einen Durchmesser von 200 Kilometer. Sie wurde nach der griechischen Regenbogengöttin und Begleiterin von Hera benannt. Am Tage ihrer Entdeckung stand sie nur weniger als 1 Stunde Rektaszension von (3) Juno entfernt, die die römische Version der Göttin Hera ist. (20) Massalia wird dann am 5. Februar im Sternbild Krebs in Opposition stehen. Sie wurde am 19. September 1852 von de Gasparis in Neapel entdeckt und hat einen Durchmesser von 145 Kilometer. Sie wurde nach der südfranzösischen Stadt Marseille benannt.

Tabelle 1: Daten der beschriebenen Planetoiden
Planetoid
Datum
RA
Dekl.
Mag.
Konst.
(7) Iris


(20) Massalia

10.01.
15.01.
20.01.
01.02.
05.02.
10.02.
07h 42m
07h 37m
07h 31m
09h 19m
09h 15m
09h 10m
+15°39´
+15°39´
+15°39´
+14°22´
+14°40´
+15°04´
7m7
7m7
7m9
8m7
8m5
8m7
Gem


Cnc

Kometen
 
Bereits am 13. Dezember 2021 stand der Komet 19P/Borrelly mit einer Entfernung von rund 174 Millionen Kilometer in Erdnähe. Er wurde am 28. Dezember 1904 von Alphonse Louis Nicolas Borrelly entdeckt. Er umrundet die Sonne einmal in 6,85 Jahren und gehört somit zu den kurzperiodischen Kometen. Seine größte Helligkeit von etwa 7m9 wird er am 26. Januar im Sternbild Walfisch erreichen und sein Perihel (Sonnennähe) am 2. Februar. Sein Weg an unserem Abendhimmel führt ihn am südwestlichen Himmel ab dem 5. Januar mit einer Helligkeit von 8m1 zunächst vom Sternbild Walfisch in die Fische. Von da geht es in den Widder und ab dem 18. März geht es mit nur noch 9m0 weiter im Sternbild Perseus (siehe Abb. 1). Am 22. September 2001 flog die NASA-Sonde Deep Space 1 in einem Abstand von nur 2.200 Kilometer an ihm vorbei. Hierbei wurde unter anderem festgestellt, dass sein Kern nur eine Albedo (Rückstrahlfähigkeit) von 0,03 hat. Er ist also so dunkel wie schwarzes Tonerpulver bei einem Durchmesser von 8 x 4 x 4 Kilometer.

 
 
Tabelle 2: Daten des beschriebenen Kometen 19P/Borrelly
DatumRADekl.Mag.Konst.
05.01.
15.01.
30.01.
15.02.
01.03.
15.03.
00h28m
00h50m
01h24m
02h05m
02h44m
03h28m
-14°42´
-07°27´
+03°28´
+14°30´
+23°06´
+30°22´
8m1
8m0
7m9
8m1
8m5
9m1
Cet
Cet
Psc
Ari
Ari
Ari
Abb.1: Bahn des Kometen 19P/Borrelly über dem südlichen Horizont
Mondlose Zeit
 
Für unsere folgende Deep-Sky-Tour im Sternbild Orion benötigen wir wieder einen dunklen und mondlosen Abend. Diese Zeiten habe ich in der folgenden Tabelle zusammengestellt.

Tabelle 2: Mondlose Beobachtungszeit
bis 6. Januar
22. Jan. bis 4. Feb.
20. Feb. bis 5. Mrz.
ab 21. März
Deep-Sky-Objekte
 
Unsere heutige Deep-Sky-Rundreise starten wir rund 4° südlich der Gürtelsterne des Himmelsjägers Orion. Bereits mit einem guten 10 x 50 Fernglas können wir dort den großen Orionnebel M 42 auffinden, der rund 1.400 Lichtjahre von uns entfernt ist. Er gehört zum großen Orion-Molekülwolkenkomplex und wurde 1610 von de Peiresc entdeckt. Es handelt sich bei ihm um die größte und aktivste Sternentstehungsregion unserer galaktischen Nachbarschaft. Eine Region, die überwiegend aus Wasserstoff besteht und vom Riesenstern Theta 1 ionisiert wird. Der Orionnebel hat einen Durchmesser von 24 Lichtjahren und ist etwa 3 Millionen Jahre alt. Der knapp nördlich gelegene de Mairans Nebel, oder auch M 43, gehört nach neuesten Erkenntnissen nicht zur großen Molekülwolke. Mit meinem 12 x 50 Fernglas ist der Orionnebel ein auffallend großer und heller Nebelfleck. Im 60mm Refraktor ist bereits bei einer Vergrößerung von 75x das „Fish´s mouth“ sichtbar. Ein länglicher Dunkelnebel, der von Nordosten in den hellen Teil des Nebels stößt. Im 17,5-Zöller war bei V=167xWw+UHC (-Filter) sehr schön die Schröterbrücke im Fish´s mouth zu sehen und viele Dunkelstellen im Bereich des Trapezes; einem trapezförmigen, kleinen Sternhaufen im Zentrum des Orionnebels.
Schwenken wir einen 3-Zöller vom Stern Alnitak (linker Gürtelstern) etwa 2,5° in nordöstliche Richtung, dann kommen wir zum hellsten Reflexionsnebel M 78. Er ist 1.600 Lichtjahre von uns entfernt und wurde 1780 von Pierre Méchain entdeckt. Bei einer Vergrößerung von 33xWw+UHC (-Filter) ist er dann als diffuses Leuchten mit einer zentralen Verdichtung zu sehen.


6 x 3min bei ISO 1600 fokal am 16-Zöller; © Andreas Kaczmarek

5 x 4min, 5 x 1min, 5 x 30s, 5 x 15s und 5 x 7s bei ISO 800 plus CLS-Filter fokal am 8-Zöller;
© Andreas Kaczmarek
Nur 22 Bogenminuten östlich von Alnitak (ζ-Orionis) finden wir bereits mit einem 3-Zöller bei einer Vergrößerung von 13xWw+Hß (-Filter) die HII-Region NGC 2024, oder auch Flammennebel genannt. Sie ist 1.350 Lichtjahre von uns entfernt und gehört ebenfalls zum Orion-Molekülkomplex. Sie wurde am 1. Januar 1786 von Friedrich Wilhelm Herschel entdeckt. An einem dunklen Beobachtungsplatz ist dieser Nebelbereich in einem 3-Zöller ein relativ heller, kleiner Bogen östlich und unweit vom östlichen Gürtelstern Alnitak. Im 16-Zöller sind bei V=57xWw+Hß (-Filter) sogar Strukturen innerhalb des Nebels sichtbar!
Rund 1,4° südsüdöstlich vom Orionnebel M 42 befindet sich der kleine Reflexionsnebel NGC 1999; auch Schlüssellochnebel genannt. Er wurde am 5. Oktober 1785 von Wilhelm Herschel entdeckt und ist 1.500 Lichtjahre von uns entfernt. Beleuchtet wird dieser Reflexionsnebel vom Stern V380-Orionis. Im Zentrum befindet sich ein Dunkelnebel mit einer Form, die ihm den Namen eingebracht hat. Im 17,5-Zöller war er bei V=167xWw ein relativ großer, runder und heller Nebel, der nach Norden hin blickweise strukturiert (zerfasert) ist.


3 x 3min bei ISO 1600 mit 2 x Telekonverter am 16-Zöller;
© Andreas Kaczmarek
Unser letztes Objekt für den heutigen Abend finden wir mit einem 8-Zöller rund 3,5° östlich vom Stern Alnitak. Es ist der Nebelbogen Sh2-276, oder auch Barnard´s Loop genannt. Er wurde 1895 von Edward Barnard auf einer Fotoplatte entdeckt und ist 1.500 bis 1.600 Lichtjahre von uns entfernt. Auch dieser 10 bis 15° große Nebelbogen, der um die Gürtelsterne bis fast zum Stern Rigel verläuft ist Teil der großen Orion-Molekülwolke, die in einigen Millionen Jahren einen Sternhaufen ähnlich der Plejaden bilden wird. In meinem Achtzöller ist er bei V=31xWw+Hß (-Filter) ein breites, lichtschwaches Lichtband, das in einem sternenreichen Gebiet eingebettet ist. Aber an einem dunklen nicht lichtverschmutzten Beobachtungsplatz ist dieser Nebelbogen sogar schon mit einem 3-Zöller sichtbar!


5 x 3 min bei ISO 1600 mit 85mm (5,6) und einer Canon EOS 20D;
© Andreas Kaczmarek
Am Ende unserer Deep-Sky-Tour an diesem Abend, wünsche ich wieder allen viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der beschriebenen Ereignisse und Objekte!

Die Aufsuchkarten entstanden mit Guide 9.0 und Sky Safari

Tabelle 3: Daten der beschriebenen Deep-Sky-Objekte im Sternbild Orion
Objekt
RA
Dekl.
Dimension
Mag.
Art
M 42
M 78
NGC 1999
NGC 2024
Sh2-276
05h35m
05h47m
05h37m
05h42m
05h48m
-05°27´
+00°03´
-06°42´
-01°51´
+01°00´
65 x 60´
8 x 6´
2 x 2´
30 x 30´
600 x 30´





GN
RN
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Andreas Kaczmarek

Tel. 0152 / 55662836
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