4. Himmelsquartal - Volkssternwarte Langwedel

Northern Lights
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Aktuelle Sternkarte für Mitteleuropa

Aktuelle Sternkarte für Mitteleuropa von Astronomie.de Ein Service von www.Astronomie.de
Das erste Himmelsquartal 2020
Merkur am Abendhimmel / Komet C/2017 T2 (PANSTARRS) zirkumpolar

Bei Beginn der astronomischen Dämmerung sehen wir nun wieder hoch im Süden das Sternbild des Himmelsjägers Orion vor uns. Bei guter Horizontsicht finden wir zu seinen Füßen das unscheinbare Sternbild Hase. Auf seinem Weg über den Meridian in Richtung des Westhimmels folgen ihm der Große und Kleine Hund. Im Zenit sehen wir den hellen Stern Kapella im Sternbild Fuhrmann. Der Stier mit seinem Hauptstern Aldebaran befindet sich zusammen mit den Hyaden und Plejaden bereits am Westhimmel.  Von den klassischen Wintersternbildern befinden sich am frühen Abend nur noch die Zwillinge am Osthimmel. Das ganze Wintersechseck – bestehend aus den Sternen Rigel im Orion, Aldebaran im Stier, Kapella im Fuhrmann, Pollux in den Zwillingen, Procyon im Kleinen Hund und Sirius im Großen Hund – steht nun also komplett im Meridian. Die Herbststernbilder sind mittlerweile komplett an den Westhimmel gewandert. Über dem Osthorizont machen sich bereits die ersten Vorboten der kommenden Jahreszeit bemerkbar. Allen voran das Sternbild Löwe mit seinem hellen Hauptstern Regulus. Das Himmels-W – Werder-W – oder auch Kassiopeia beginnt nun wieder seinen Abstieg runter zum Nordhorizont, was hoffentlich nichts mit der Situation der Mannschaft in der Tabelle zu tun haben wird! Der Große Bär – zusammen mit dem Großen Wagen – beginnt dagegen sich aus dem nördlichen Horizontdunst zu lösen und wird wieder besser sichtbar.
 

Dieser spektakuläre Himmel wird vom 31. Dezember 2019 bis 6. Januar 2020 von den Sternschnuppen der Quadrantiden verziert, die am 4. Januar ihr Maximum haben werden. Leider werden sie in der ersten Nachthälfte vom Halbmond gestört. Da sie aber eine ZHR von 130 Objekten pro Stunde haben werden, wird man an einem dunklen Standort bestimmt die eine oder andere Sternschnuppe sichten. Ihr Ausstrahlungspunkt (Radiant) liegt im nordöstlichen Teil des Sternbilds Bootes, weswegen sie auch gelegentlich Bootiden genannt werden. Der Name Quadrantiden kommt vom früheren Sternbild Mauerquadrant, welches aber nicht mehr offiziell geführt wird. Ursprungskomet dieses Stroms soll der vor 500 Jahren in China entdeckte Komet C/1490 Y1 sein, dessen Ephemeriden sehr gut mit denen der Quadrantiden übereinstimmen. Auch das geringe Alter des Meteorstroms stützt diese Hypothese. Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 42,9 Kilometer pro Sekunde handelt es sich um relativ schnelle Objekte.
 Der sonnennächste Planet Merkur kann vom 6. bis 12. Februar am westlichen Abendhimmel beobachtet werden. Am 10. Februar erreicht er mit 18°12´ seine größte östliche Elongation. Schon am 11. Februar erreicht er mit einem scheinbaren Durchmesser von 7,2“ seine Dichotomie (Halbphase). Seine Helligkeit geht von anfangs -1m0 auf -0m6 am Ende seiner Sichtbarkeit zurück. Ab 17h30m MEZ sollte es möglich sein, ihn aufzusuchen. Ab einer Vergrößerung von 100x ist es dann möglich die Phasen des Merkurscheibchens zu erkennen.
 Venus baut ihre Abendsichtbarkeit deutlich aus und erreicht am 24. März ihre größte östliche Elongation. Ihre Helligkeit steigt während des ersten Quartals von -4m0 auf -4m5 leicht an. Parallel dazu vergrößert sich ihr scheinbarer Durchmesser von 15“ auf 24“ am Ende des Quartals. Ihre Halbphase (Dichotome) erreicht sie am 27. März. Interessant ist es bei einer Vergrößerung von 100x das Venusscheibchen mit dem des Merkurs zu vergleichen.
 Am 9. Januar wird der Planetoid (192) Nausikaa im Sternbild der Zwillinge in Opposition stehen. Dieser 99 Kilometer große Kleinplanet wurde am 17. Februar 1879 von Palisa in Pola entdeckt und wurde nach der Tochter des Phaiaken-Königs Alkinoos benannt, die Odysseus am Strand von Scheria fand und zu ihren Eltern führte. (511) Davida wird am 15. Januar ebenfalls in den Zwillingen in Opposition stehen. Sie wurde am 30. Mai 1903 von Dugan in Heidelberg entdeckt und ist 270 Kilometer groß! Benannt ist dieser Kleinplanet nach dem US-Astronomen David Peck Todd. Am 21. Januar wird der 110 Kilometer große Planetoid (5) Astraea im Sternbild Krebs in Opposition stehen. Sie wurde am 8. Dezember 1845 von Karl Ludwig Hencke in Driesen entdeckt und ist benannt nach einer Tochter des Zeus bzw. der Göttin der Gerechtigkeit. Als letztes erreicht (27) Euterpe diese Position am 14. März im Sternbild Jungfrau. Dieser 96 Kilometer große Himmelskörper wurde am 8. November 1853 von John Russel Hind in London entdeckt und wurde nach der Muse der lyrischen Dichtung und dem Flötenspiel benannt. Alle wichtigen Daten zum beobachten dieser Planetoiden habe ich in Tabelle 1 zusammengestellt.

Tabelle 1: Daten der beschriebenen Kleinplaneten
Planetoid
Datum
RA
Dekl.
Mag.
Konst.
(5) Astraea

 
(27) Euterpe


(192) Nausikaa


(511) Davida
15.01.
20.01.
25.01.
10.03.
15.03.
20.03.
05.01.
10.01.
15.01.
10.01.
15.01.
20.01.
08h13m
08h08m
08h03m
11h48m
11h43m
11h38m
07h31m
07h25m
07h18m
07h52m
07h47m
07h43m
+15°53´
+16°24´
+16°55´
+04°24´
+04°56´
+05°26´
+31°44´
+31°45´
+31°41´
+23°31´
+24°16´
+24°59´
9m1
9m0
9m1
9m5
9m4
9m6
10m0
10m0
10m1
9m7
9m6
9m8
Cnc


Vir


Gem


Gem
Am 4. Mai wird der Komet C/2017 T2 (PANSTARRS) sein Perihel erreichen, aber bereits im ersten Himmelsquartal kann er in Teleskopen ab 150mm Öffnung beobachtet werden! Seine Helligkeit steigt im Laufe des Quartals von anfangs 9m5 auf 8m5 Ende März. Er wurde am 2. Oktober 2017 mit dem Pan-STARRS 1 Teleskop auf dem Haleakala-Vulkan auf der Insel Maui (Hawaii) mit einer Helligkeit von 19m9 entdeckt und benötigt rund 829 Jahre einmal um die Sonne! Seine Bahn führt ihn vom Sternbild Perseus langsam in die Cassiopeia. Am 25. Januar wird er dann nur rund 36´ nordöstlich vom Doppelsternhaufen chi und h stehen! Bestimmt ein reizvolles Motiv für Astrofotografen.

 
 
Tabelle 2: Daten des Kometen C/2017 T2 (PANSTARRS)
Bahn des Kometen C/2017 T2 (PANSTARRS) vom 1. bis 31. Januar
Datum
RA
Dekl.
Mag.
Konst.
01.01.
 
15.01.
 
30.01.
 
15.02.
 
01.03.
 
15.03.
 
30.03.
03h26m
 
02h47m
 
02h19m
 
02h06m
 
02h09m
 
02h23m
 
02h55m
+55°11´
 
+56°50´
 
+57°49´
 
+59°12´
 
+61°20´
 
+64°12´
 
+68°13´
9m5
 
9m3
 
9m2
 
9m0
 
8m8
 
8m7
 
8m5
Per
 
Per
 
Per
 
Cas
 
Cas
 
Cas
 
Cas
Am 10. Januar wird der Mond im Halbschatten der Erde stehen. Allerdings ist eine Halbschattenmondfinsternis ein relativ unauffälliges Ereignis. Da der Mond aber zur Mitte der Finsternis zu 92,1% im Halbschatten der Erde stehen wird, kann man gegen 20h10m MEZ den südlichen Rand des Mondes etwas dunkler sehen.
Bereits in der Nacht vom 7. auf den 8. Januar wandert der fast volle Mond durch den nördlichen Teil der Hyaden, was wiederum die Astrofotografen auf den Plan rufen sollte!
Um unsere heutige Deep-Sky-Tour starten zu können, benötigen wir wieder einen dunklen und mondlosen Himmel. Diese Zeiten habe ich in Tabelle 3 zusammengestellt.

Tabelle 3: Mondlose Zeit
14. bis 28. Januar
12. bis 26. Februar
12. bis 26. März
Nur vier Grad südlich von Sirius, dem hellsten Stern des gesamten Sternhimmels und gleichzeitig dem Hauptstern des Großen Hund, finden wir bereits mit einem 10x50 Feldstecher den offenen Sternhaufen M 41 im Großen Hund. Wir erkennen ihn dann als blassen, mittelgroßen und diffusen Fleck. Mit meinem 60mm Refraktor war er bei einer Vergrößerung von 46x ein rundes Objekt, bei dem bei indirektem Sehen viele Sterne zu sehen waren. Dieser Sternhaufen ist 2.300 Lichtjahre von uns entfernt und hat einen Durchmesser von 25 Lichtjahren. Um 325 vor Christus war er bereits Aristoteles bekannt, aber erst 1654 wurde er von Giovanni Batista Hodierna als offener Sternhaufen erkannt. Sein hellster Mitgliedsstern ist ein roter Riese mit der 700-fachen Sonnenleuchtkraft und das Alter des Sternhaufens ist 200 Millionen Jahre!
Für das nächste Objekt dieses Abends schwenken wir unser Teleskop – mindestens einen 6-Zöller – von Sirius rund 4,6° in ostnordöstliche Richtung bis zum Stern g-CMa. Von dort nochmal 4,4° weiter in nordöstliche Richtung und wir kommen zum Wolf-Rayet-Ringnebel mit dem passenden Namen „Thors Helm“ und der Katalognummer NGC 2359. Ein Gasnebel in 15.000 Lichtjahren Entfernung und einem Durchmesser von 20 Lichtjahren. Er wurde 1785 von William Herschel entdeckt und wird von einem sogenannten WR-Stern (Wolf-Rayet-Stern) mit einer Temperatur von 50.000°C zum Leuchten angeregt. WR-Sterne sind die freigelegten Kerne ehemals sehr massereicher Sterne, die Oberflächentemperaturen zwischen 30.000 und 120.000° Kelvin haben! Für ihre Massen wurden bisher zwischen 20 bis 100 Sonnenmassen gemessen. Der Zentralstern von „Thors Helm“ hat einen sehr heftigen Sonnenwind, mit dem er innerhalb eines Jahres bis zu 10-4 Sonnenmassen verliert! Benannt sind diese Sterne nach den französischen Astronomen Charles Joseph Etienne Wolf und Georges Antoine Pons Rayet. Im 17,5-Zöller war er bei einer Vergrößerung von 80xWw+OIII(-Filter) ein großes, helles, C-förmiges und strukturiertes Objekt, in dessen Mitte ein strukturierter Ring sichtbar war.
Fernrohrzeichnung von NGC 2359 / ©Andreas Kaczmarek

Von g-CMa schwenken wir nun unser 6-Zoll Teleskop mit UHC-Filter und großem Gesichtsfeld 3,3° in nördliche Richtung und wir kommen zum Gasnebel Cederblad 90. Es ist der südliche und hellste Zipfel des galaktischen Nebels IC 2177 und hat einen Durchmesser von 128 Lichtjahren. Schon mit meinem 8-Zöller ist er bei einer Vergrößerung von 31xWw+Hß(-Filter) ein heller, relativ großer und homogener Nebel, der einen 8mag. Stern einhüllt. Wer nun sein Teleskop 2° langsam in nördliche Richtung schwenkt, kann bei niedriger Vergrößerung und großem Gesichtsfeld kombiniert mit einem UHC-Filter den galaktischen Nebel IC 2177 abfahren, der sich bis ins Sternbild Einhorn hinzieht. Mit meinem 8-Zöller war er bei V=40xWw+UHC(-Filter) als ein Lichtband, das sich zwischen zwei Sternen und einer Kette aus drei Sternen durchzieht zu erkennen. Er ist ziemlich hell und ist nicht zu übersehen! Entdeckt wurde dieser Nebel 1885 von Isaac Roberts und wird häufig auch als „Möwennebel“ bezeichnet. Der hellste Teil dieses Nebels – NGC 2327 - wurde 1785 von William Herschel entdeckt. Insgesamt ist dieser Nebelkomplex 3650 Lichtjahre von uns entfernt.
Für unser letztes Beobachtungsobjekt schwenken wir unser Teleskop von g-CMa 3,5° südöstlich bis zum offenen Sternhaufen 2358. Von dort geht es 42´ weiter südöstlich bis zum 6m7 Stern SAO 152723. Von hier sind es nur noch 46´ in südöstliche Richtung und wir sind beim kleinen planetarischen Nebel M 1-13. Er ist rund 14.500 Lichtjahre von uns entfernt und wurde 1946 von Minkowski entdeckt. Schon in meinem Achtzöller ist er bei einer Vergrößerung von 149xWw+UHC(-Filter) als kleines, helles und rundes Scheibchen mit hellen Zentrum zu sehen! Im 17,5-Zöller war er bei V=298xWw+OIII(-Filter) ein sehr helles, kleines und rundes Scheibchen mit einem hellen Kern.
Fernrohrzeichnung von M 1-13 / ©Andreas Kaczmarek
Allen Beobachtern wünsche ich wieder viel Spaß beim Aufsuchen und beobachten, der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!
Andreas Kaczmarek

Tabelle 4: Daten der beschriebenen Deep-Sky-Objekte
Objekt
RA
Dekl.
Dimension
Mag.
Art
M 41
NGC 2359
IC 2177
Ced 90
M 1-13
06h46m
07h19m
07h04m
07h10m
07h21m
-20°45´
-13°14´
-10°27´
-11°00´
-18°09´
38´
9 x 6´
120 x 60´
5 x 4´
10“
4m5



 12m6v
OH
GN
GN
GN
PN
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Vorsitzender:
Andreas Kaczmarek

Tel. 0152 / 55662836
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