4. Himmelsquartal - Volkssternwarte Langwedel

Northern Lights
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Aktuelle Sternkarte für Mitteleuropa

Aktuelle Sternkarte für Mitteleuropa von Astronomie.de Ein Service von www.Astronomie.de
Das vierte Himmelsquartal 2022
Partielle Sonnenfinsternis / Marsbedeckung durch den Mond

Sternhimmel
Hoch im Meridian steht nun wieder das Herbstviereck des Pegasus. Südlich und östlich von ihm findet man die Fische. Bis in den westlichen Teil des Himmels zieht sich südlich vom Pegasus das Sternbild Wassermann. Vom nördlichen Rand des Pegasus schlängelt sich in östliche Richtung die Andromeda mit dem berühmten Andromedanebel – unserer Nachbargalaxie, die 2,5 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist und somit das am weitesten entfernte Objekt ist, welches man mit dem bloßen Auge erkennen kann. Südlich der Andromeda finden wir die kleinen und unscheinbaren Sternbilder Dreieck und Widder. Südlich der Fische finden wir auch noch den Walfisch, der aber einiger Übung bedarf, um gefunden zu werden. Knapp über dem südlichen Horizont können wir den hellen Hauptstern der südlichen Fische Formalhaut erkennen. Sämtliche Sommersternbilder haben sich bereits in den Westhimmel zurückgezogen und am Osthimmel tauchen bereits die ersten Vorboten der kommenden Jahreszeit auf. Allen voran der Stier und das Sternbild Fuhrmann, wo man schon deutlich den offenen Sternhaufen der Plejaden sehen kann. Der Große Bär mit dem Großen Wagen hat nun seinen tiefsten Punkt seiner Bahn knapp über dem nördlichen Horizont erreicht. Die herbstliche Milchstraße spannt sich nun vom westlichen Horizont über den Zenit bis zum östlichen Horizont, wodurch wir in südliche Richtung weit in den Kosmos hineinblicken und viele Galaxien erkunden können.
Meteore
Mehrere Male in diesem Quartal wird dieser relativ lichtschwache Sternhimmel von verschiedenen Sternschnuppenströmen verziert. Zunächst werden die Draconiden vom 6. bis 10. Oktober den Himmel verzieren. Ihr Maximum werden sie in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober mit maximal 10 Objekten pro Stunde haben. Sie kommen scheinbar aus dem Sternbild Drache und ihren Ursprung haben sie im Kometen 21P/Giacobini-Zinner. Leider wird die Beobachtung in der ersten Nachthälfte vom Mond erschwert. Vom 2. Oktober bis 7. November werden dann die Orioniden ihr Unwesen am Himmel treiben. Ihr Maximum werden sie in der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober mit maximal 20 Objekten pro Stunde haben. Ihr Ausstrahlungspunkt (Radiant) liegt im Sternbild Orion und ihren Ursprung haben sie im Kometen 1P/Halley. Ein zumeist recht unscheinbarer Strom kann vom 6. bis 30. November beobachtet werden. Die Leoniden werden in der Nacht vom 17. auf den 18. November ihr Maximum mit einer ZHR von 10 Objekten pro Stunde haben. Ihr Ausstrahlungspunkt liegt scheinbar im Sternbild Löwe und ihren Ursprung haben sie im Kometen 55P/Temple-Tuttle. Als letztes erscheinen vom 4. bis 20. Dezember die Geminiden, die ihr Maximum in der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember mit einer ZHR von 150 Objekten pro Stunde haben werden. Mehr als im August bei den Perseiden auftauchen! Ihren Ausstrahlungspunkt (Radiant) haben sie scheinbar im Sternbild Zwillinge und ihren Ursprung haben sie im Asteroiden (3200) Phaeton, der wohl ein ausgebrannter Komet ist.

Planeten
Eine bescheidene Morgensichtbarkeit wird der sonnennächste Planet Merkur vom 10. bis 16. Oktober haben. Seine Helligkeit wird in diesem Zeitraum minimal von -0m7 auf -0m9 steigen und am 8. Oktober wird er mit einem scheinbaren Durchmesser von 7,1“ seine Dichotomie (Halbphase) erreichen. Schon mit einem Vierzöller kann man bei einer Vergrößerung von etwa 150x seine Lichtphasen erkennen.
Am 9. November erreicht der grünliche Gasplanet Uranus im Sternbild Widder seine diesjährige Opposition. Eine gute Aufsuchkarte vorausgesetzt, kann er bei einer Helligkeit von 5m6 durchaus mit dem bloßen Auge aufgefunden werden! Bei einem scheinbaren Durchmesser von 3,8“ können aber leider keine Details in seiner Wolkenoberfläche erkannt werden. Aber ab einer Fernrohröffnung von 300mm ist es möglich, seine vier hellsten Monde Titania, Oberon, Umbriel und Ariel von Nacht zu Nacht zu verfolgen.
Am 8. Dezember steht dann schließlich der rote Planet Mars im Sternbild Stier wieder in Opposition. Mit einer Oppositionshelligkeit von -2m0 wird er ein auffälliges rötliches Objekt im Sternbild Stier neben dem Hauptstern Aldebaran. Zwar wird der scheinbare Durchmesser des Mars mit 17,2“ nicht besonders groß, aber durch die hohe Position im Stier wird er weitab von den Bereichen sein, wo oftmals die große Luftunruhe stört. Schon mit einem Vierzöller können bei einer Vergrößerung von 150x Oberflächenstrukturen gesehen werden. Besonders auffällig sind hierbei seine Polkappen und die Große Syrte, eine große, dunkle und dreieckige Struktur. Genau am Tag der Opposition kann man auch ein seltenes Schauspiel verfolgen. Dann wird nämlich von 05.59,1 bis 06.54,8 MEZ (HH) der Planet Mars vom Vollmond bedeckt. Eine interessante Aufgabe für die Planetenfotografen unter uns!
Des Weiteren kann auch der Riesenplanet Jupiter noch im gesamten vierten Himmelsquartal beobachtet werden. Seine Helligkeit geht in diesem Zeitraum langsam von -2m9 auf -2m3 zurück. Auch der Ringplanet Saturn kann noch bis Ende November beobachtet werden. Seine Helligkeit geht in diesem Zeitraum von 0m5 auf 0m8 zurück.

Planetoiden
Vier Kleinplaneten erreichen während ihrer diesjährigen Opposition eine Helligkeit von mindestens 10m0. Zunächst wird (27) Euterpe am 12. November im Sternbild Stier seine Oppositionsstellung erreichen. Sie wurde am 8. November 1853 von John Russell Hind entdeckt und hat einen Durchmesser von 124 x 75 Kilometer. Benannt wurde sie nach der Muse der lyrischen Dichtung und des Flötenspiels. (115) Thyra wurde am 6. August 1871 von J.C. Watson entdeckt und wird in diesem Jahr ihre Opposition am 19. November im Sternbild Perseus erreichen. Sie hat einen Durchmesser von 80 Kilometer und wurde nach der dänischen Königin Thyra Danebod benannt. Drei Tage später am 22. November wird (324) Bamberga ihre Opposition ebenfalls im Perseus erreichen. Sie wurde am 25. Februar 1892 von Johann Palisa entdeckt und hat einen Durchmesser von 229 Kilometer. Benannt wurde sie nach der Stadt Bamberg. Am 1. Dezember wird schließlich (349) Dembowska im Sternbild Stier in Opposition stehen. Sie wurde am 9. Dezember 1892 von Auguste Charlois in Nizza entdeckt und hat einen Durchmesser von 140 Kilometer. Benannt wurde sie nach dem italienischen Astronomen Ercole Dembowski. In Tabelle 1 habe ich alle Daten der beschriebenen Planetoiden zur Oppositionszeit zusammengestellt.

Tabelle 1: Daten der beschriebenen Kleinplaneten
Planetoid
Datum
RA
Dekl.
Mag.
Konst.
(27) Euterpe


(115) Thyra


(324) Bamberga


(349) Dembowska

10.11.
15.11.
20.11.
15.11.
20.11.
25.11.
20.11.
25.11.
30.11.
25.11.
30.11.
05.12.
03h16m
03h11m
03h06m
03h12m
03h07m
03h02m
03h25m
03h20m
03h16m
04h33m
04h28m
04h23m
+15°50´
+15°34´
+15°19´
+41°16´
+40°42´
+39°59´
+41°56´
+41°26´
+40°48´
+29°31´
+29°33´
+29°34´
8m9
8m9
9m0
9m8
9m7
9m8
9m1
9m2
9m3
9m8
9m7
9m8
Tau


Per


Per


Tau
Ereignisse
 
Das Highlight des Jahres wird bei gutem Wetter die partielle Sonnenfinsternis am 25. Oktober werden. Maximal wird die Sonnenscheibe an diesem Tag in Bremen mittags zu 27,5% vom Neumond bedeckt werden. Im Folgenden habe ich den zeitlichen Ablauf der Sonnenfinsternis für Bremen zusammengestellt. Vielleicht kann ja der eine oder andere in seiner Mittagspause einen Blick auf die Sonne riskieren, oder kann vielleicht sogar freinehmen, um vielleicht ein Foto der Finsternis zu machen, wie zuletzt am 10. Juni 2021(siehe Abb.1).

Beginn der Finsternis: 11h08m MESZ
Mitte der Finsternis: 12h08m MESZ
Ende der Finsternis: 13h11m MESZ


Partielle Sonnenfinsternis am 10. 06.2021 mit einem 4-Zoll Refraktor (1:10) bei ISO 100 und 1/8000s

Mondlose Zeit
Zur Beobachtung der Deep-Sky-Objekte im Sternbild Dreieck benötigen wir wieder einen dunklen und mondlosen Sternhimmel. Diese Zeiten habe ich in Tabelle 2 zusammengetragen.

Tabelle 2: Mondlose Zeit
bis 3. Oktober
16. bis 31. Oktober
15. bis 29. November
14. bis 27. Dezember
Deep-Sky-Objekte
 
Rund 4° nordwestlich vom Stern α-Tri finden wir bereits mit einem 10 x 50 Fernglas ein relativ großes, ovales und diffuses Objekt, welches man an richtig dunklen Beobachtungsplätzen – wie zum Beispiel La Palma – schon mit bloßem Auge erkennen kann! Es handelt sich dabei um die Dreiecksgalaxie M 33, die 1654 von Giovanni Battista Hodierna entdeckt wurde und von Charles Messier am 25. August 1764 unabhängig davon aufgefunden wurde und von ihm in seinen berühmten Katalog aufgenommen wurde. Es handelt sich bei ihr um eine Spiralgalaxie, die einen Durchmesser von etwa 55.000 Lichtjahre hat und etwa 2,7 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist. Mit ihrem Durchmesser ist sie nach dem Andromedanebel und unserer Milchstraße die drittgrößte Galaxie der lokalen Gruppe. Sie beinhaltet rund 50 Milliarden Sonnenmassen und schon mit Amateurmitteln sind viele HII-Regionen in ihr sichtbar, wovon die hellste - NGC 604 – schon mit einem Sechszöller plus UHC-Filter sichtbar ist! Im Jahre 2007 wurde mit dem Chandra-Röntgenteleskop das zu dieser Zeit massereichste schwarze Loch in ihr entdeckt mit 16 Sonnenmassen, das die Katalognummer M 33 X-7 bekommen hat. Es befindet sich im Orbit um einen blauen Riesenstern mit 70-facher Sonnenmasse! Im 2,5-Zöller ist sie bei V=26x ein lichtschwaches Objekt gewesen, welches zwischen den südlichen beiden Sternen eines großen Sterndreiecks steht. Im Achtzöller kann man bei einer Vergrößerung von 31xWw bereits indirekt eine S-Form erkennen und relativ hell den Gasnebel NGC 604. Es ist eines der größten bekannten Sternentstehungsgebiete mit einem Durchmesser von 1.300 Lichtjahren! Mit meinem 16-Zöller sind bei V=230xWw drei Spiralarme und bis zu 14 katalogisierte Sternhaufen und Gasnebel innerhalb der Galaxie zu sehen!


M 33: 8 x 5min bei ISO 1600 plus CLS-Filter fokal am 8-Zöller mit einer Canon EOS 20Da
© Andreas Kaczmarek
Unser nächstes Objekt finden wir rund 2° südöstlich vom Stern γ-Tri. Es ist die Balkenspiralgalaxie NGC 925, die am 13. September 1784 vom britischen Astronomen William Herschel entdeckt wurde und 30 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist. In ihr verteilen sich ausgedehnte Sternentstehungsgebiete und auf einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahre verteilen sich 50 Milliarden Sonnenmassen. Bei V=168xWw ist sie in meinem 16-Zöller ein helles, diffuses, ovales Objekt, bei welchem bei indirektem Sehen ein Spiralarm sichtbar ist.


NGC 925: 4 x 4min bei ISO 800 fokal am 16-Zöller mit Canon EOS 20 Da
© Andreas Kaczmarek
Rund 2,5° westlich vom Stern β-Tri finden wir die interagierende Doppelgalaxie NGC 750/1. NGC 750 wurde hierbei am 12. September 1784 von William Herschel und NGC 751 am 11. Oktober 1850 von Bindon B. Stoney entdeckt. Das Galaxienpaar ist rund 237 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Im 17,5-Zöller bei V=167xWw sind die Kerne der beiden Galaxien getrennt sichtbar, aber die Objekte selbst laufen noch ineinander. Sie sind relativ hell, oval und am besten bei indirektem Sehen zu erkennen. Im gleichen Gesichtsfeld erkennt man dann auch die Galaxie NGC 739. Sie ist eine linsenförmige Galaxie, die etwa 208 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist und einen Durchmesser von 55.000 Lichtjahre hat. Entdeckt wurde sie am 9. Januar 1874 von Ralph Copeland. Sie war im 17,5-Zöller bei V=167xWw ein relativ schwaches und ovales Objekt, welches indirekt am besten zu sehen ist.
Rund 2,25° westsüdwestlich vom Stern α-Tri finden wir die Balkenspiralgalaxie NGC 672, die ebenfalls ausgedehnte Sternentstehungsgebiete enthält. Sie wurde am 26. Oktober 1786 vom britischen Astronomen William Herschel entdeckt und ist etwa 25 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Mit einem Durchmesser von 35.000 Lichtjahren bildet sie zusammen mit der Galaxie IC 1727 das gravitativ gebundene Galaxienpaar Holm 46. Schon in einem Achtzöller ist sie bei einer Vergrößerung von 83xWw als relativ helles und ovales Objekt zu erkennen, welches ziemlich groß ist.


NGC 672: 5 x 5min bei ISO 1600 plus CLS-Filter fokal am 16-Zöller mit Canon EOS 20 Da
© Andreas Kaczmarek
Ich wünsche wieder viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!

Die Aufsuchkarten entstanden mit Guide 9.0

Tabelle 4: Daten der beschriebenen Deep-Sky-Objekte im Sternbild Dreieck
Objekt
RA
Dekl.
Dimension
Mag.
Art
M 33
NGC 672
NGC 739
NGC´s 750/1
NGC 925
01h35m
01h49m
01h57m
01h59m
02h29m
+30°45´
+27°33´
+33°16´
+33°20´
+33°41´
1,1 x 0,7°
7,5 x 2,6´
0,9 x 0,6´
1,6 x 1,3´
10,9 x 6,2´
5m7
10m9
14m1v
11m9
10m1
G
G
G
G´s
G
Volkssternwarte Langwedel e.V.
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Vorsitzender:
Andreas Kaczmarek

Tel. 0152 / 55662836
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