4. Himmelsquartal - Volkssternwarte Langwedel

Northern Lights
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Aktuelle Sternkarte für Mitteleuropa

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Das vierte Himmelsquartal 2019
 
Merkurdurchgang / Uranus in Opposition
 
 
Wieder neigt sich ein Jahr dem Ende, was wir auch am Sternhimmel erkennen können. Hoch im Zenit sehen wir jetzt wieder ein Wölkchen, welches an dunklen Standorten mit dem bloßen Auge relativ hell zu sehen ist. Es ist die 2,5 Millionen Lichtjahre entfernte Andromedagalaxie M 31 im Sternbild Andromeda. In westlicher Richtung schließt sich ihr unmittelbar der Pegasus an, in dem wir diesmal unsere Deep-Sky-Objekte suchen werden. Aber dazu später mehr. Hoch im Meridian finden wir auch das unscheinbare Sternbild der Fische. Tief im Osten sind schon einige Wintersternbilder aufgegangen, die uns die kommende Jahreszeit verkünden. Zwischen dem Stern Kapella im Fuhrmann und dem Andromedanebel findet man noch ein weiteres Wölkchen, welches bei näherer Betrachtung im Feldstecher bereits in Einzelsterne aufgelöst werden kann. Es ist der berühmte Doppelsternhaufen χ+h im Perseus. Der Große Wagen hat nun seine tiefste Stellung im Jahreslauf erreicht und beginnt bald wieder seinen langen Aufstieg zum Zenit.
 

Vom 2. bis 16. Oktober wird dieser lichtschwache Sternhimmel von den Sternschnuppen der Draconiden verziert, die am 9. Oktober ihr Maximum haben werden und eine ZHR von 20 Objekten pro Stunde. Leider wird die Beobachtung dieses Stroms vom ziemlich hellen Mond gestört. Sie stammen vom Kometen 21P/Giacobini-Zinner und sind mit einer Entrittsgeschwindigkeit von 23,7 km/s ziemlich langsame Objekte. Vom 2. Oktober bis 7. November kann man die Orioniden beobachten, die am 22. Oktober mit einer ZHR von 23 Objekten pro Stunde ihr Maximum haben werden. Sie stammen vom Kometen Halley und sind mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 67,1 km/s sehr schnelle Objekte. Die Leoniden haben ihr Maximum am 18. November und sind vom 10. bis 23. November aktiv. Am Tag des Maximums wird auch ihre Beobachtung ab 22.00 MEZ vom Mond gestört. Sie haben aber auch nur eine ZHR von 15 Objekten pro Stunde. Sie stammen vom Kometen Temple-Tuttle und sind mit einer Geschwindigkeit von 71,5 km/s ebenfalls sehr schnelle Objekte. Die Geminiden, die am 14. Dezember ihr Maximum haben, werden ebenfalls vom Mond gestört. Sie haben eine ZHR von 88 Objekten pro Stunde und sind vom 7. bis 17. Dezember aktiv. Sie stammen vom Asteroiden (3200) Phaeton – der ein ausgebrannter Komet sein soll – und sind mit einer Geschwindigkeit von 36,2 km/s relativ schnelle Objekte. Am 23. Dezember schließlich haben die Ursiden im Sternbild Kleiner Bär mit einer ZHR von 12 Objekten pro Stunde ihr Maximum. Ihre Aktivität erstreckt sich vom 17. bis 26. Dezember. Sie stammen vom Kometen 8P/Tuttle und sind mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 34,8 km/s relativ schnell.
Unser Nachbarplanet Venus wird ab Ende Oktober abends wieder zögerlich am Westhimmel sichtbar werden. Ihre Helligkeit steigt unmerklich von anfangs -3m9 auf -4m0 Ende Dezember. Im gleichen Zeitraum wächst ihr scheinbarer Durchmesser von 11“ auf 13“, wobei ihre beleuchtete Phase von 94% auf 84% abnimmt.
Am 28. Oktober wird dann der grünliche Gasplanet Uranus im Sternbild Widder mit einer Helligkeit von 5m7 in Opposition stehen. An dunklen Beobachtungsplätzen und der Kenntnis seiner Position am Himmel ist er durchaus mit dem bloßen Auge zu erkennen! Rund 2,8 Milliarden Kilometer trennen ihn dann von uns, sodass sein Licht 2 Stunden und 37 Minuten zu uns unterwegs ist. In Teleskopen ab etwa 14-Zoll Öffnung kann man auch versuchen, seine helleren Monde aufzusuchen. Auf dem Planetenscheibchen selbst kann man bei einem scheinbaren Durchmesser von 3,7“ nichts erkennen.
Am 13. Oktober wird der Planetoid (29) Amphitrite in den Fischen in Opposition stehen. Dieser 190 Kilometer große Brocken wurde am 1. März 1854 von Marth in London entdeckt und nach der griechisch-römischen Meeresgöttin benannt. (9) Metis wird ihre Opposition am 25. Oktober im Sternbild Walfisch erreichen und hat ebenfalls einen Durchmesser von 190 Kilometer. Sie wurde am 25. April 1848 von Graham in Markree entdeckt und wurde nach der Mutter der Pallas und Athene benannt. (4) Vesta erreicht diese Stellung am 12. November ebenfalls im Sternbild Walfisch. Dieses 530 Kilometer große Objekt wurde am 29. März 1807 von Wilhelm Olbers in Bremen entdeckt und ist nach der Göttin von Heim und Herd benannt und ist die Schwester von Ceres. Als letzte erreicht (97) Klotho diese Position am 2. Dezember im Sternbild Eridanus. Sie hat einen Durchmesser von 100 Kilometer und wurde am 17. Februar 1868 von Leberecht-Tempel in Marseilles entdeckt. Benannt ist sie nach einer Schicksalsgöttin.

Tabelle 1: Daten der im Text beschriebenen Kleinplaneten
Planetoid
Datum
RA
Dekl.
Mag.
Konst.
(4) Vesta


 
 
 
(9) Metis


 
 
 
(29) Amphitrite


 
 
 
(97) Klotho
10.11.
 
15.11.
 
20.11.
 
20.10.
 
25.10.
 
30.10.
 
10.10.
 
15.10.
 
20.10.
 
30.11.
 
05.12.

10.12.
03h20m
 
03h15m
 
03h10m
 
02h12m
 
02h07m
 
02h02m
 
01h09m
 
01h04m
 
00h59m
 
04h45m
 
04h41m
 
04h37m
+08°30´
 
+08°19´
 
+08°10´
 
+06°29´
 
+06°15´
 
+06°04´
 
+11°38´
 
+11°23´
 
+11°07´
 
-00°50´
 
-00°57´
 
-00°55´
6m5
 
6m5
 
6m6
 
8m7
 
8m6
 
8m6
 
8m7
 
8m7
 
8m9
 
9m9
 
9m9
 
9m9
Cet


 
 
 
Cet


 
 
 
Psc


 
 
 
Eri
Das Highlight des Quartals wird jedoch der Merkurdurchgang über die Sonnenscheibe! Am 11. November kommt Merkur in untere Konjunktion mit der Sonne und gleichzeitig wandert er an diesem Tag durch seinen aufsteigenden Knoten, deshalb wird der kleine Planet um 13h35m29s das erste Mal den Sonnenrand von Südost kommend berühren, um danach über die Sonnenscheibe zu wandern. Um 19h04m15s wird er dann die Sonnenscheibe wieder verlassen haben. Leider geht die Sonne an diesem Tag bereits um 16h35m in Bremen unter, sodass dieses Schauspiel für uns Bremer kurz nach Ablauf der Mitte des Schauspiels beendet ist. Man sollte sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen, da es der letzte Merkurdurchgang bis zum Jahre 2032 ist! Bitte hierbei nicht ungeschützt in die Sonne blicken! Am besten man benutzt einen Objektivsonnenfilter und keinen Okularfilter am Teleskop verwenden! Es besteht die Gefahr der sofortigen Erblindung! Da der Planet sehr klein ist, kann man ihn, anders als die Venus, mit Sonnenfinsternis-Brillen nicht vor der Sonnenscheibe wahrnehmen. Eine gefahrlose Beobachtung ist auch die Projektion der Sonnenscheibe mit Hilfe eines Teleskops oder Feldstechers auf ein weißes Blatt Papier.
 
-          13h35m29s (1. Kontakt)
 
-          13h37m10s (2. Kontakt; Merkur löst sich nach innen vom Sonnenrand)
 
-          16h19m39s (Mitte)
 
-          19h02m22s (3. Kontakt; berührt Sonnenrand von innen)
 
-          16h35m (Sonnenuntergang)
Außerdem sind im vierten Quartal schöne Konstellationen zu beobachten. Am 5. Oktober wird der Halbmond abends nur etwa 1° südlich vom Saturn stehen. Am 31. Oktober wird dann die schmale Mondsichel gegen 18.00 MEZ rund 1° nordöstlich von Jupiter stehen.  In der Nacht vom 13. auf den 14. November wird der fast volle Mond durch den Sternhaufen der Hyaden ziehen, was bestimmt ein schönes Motiv für Astrofotografen sein wird!
Für unsere Deep-Sky-Tour benötigen wir wieder einen dunklen und mondlosen Himmel. Die Zeiten hierfür habe ich in Tabelle 2 zusammengestellt.
Tabelle 2: Mondlose Zeit
bis 4. Oktober
19. Okt. bis 3. Nov.
18. Nov. bis 2. Dez.
ab 17. Dezember
Unsere heutige Deep-Sky-Tour führt uns wie anfangs erwähnt ins Sternbild Pegasus – dem fliegenden Pferd. Zunächst schwenken wir unser Teleskop vom Stern b-Pegasi 5° in nordwestliche Richtung bis zum Stern η-Pegasi. Von hier sind es nur noch 4,4° in nordnordwestliche Richtung und wir kommen zu unserem ersten Beobachtungsobjekt – der Galaxie NGC 7331. Sie wurde am 5. September 1784 von Wilhelm Herschel entdeckt und ist 49 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Sie hat einen Durchmesser von 140.000 Lichtjahre und ist somit wesentlich größer als unsere Milchstraße. Schon mit meinem 8-Zöller ist sie bei einer Vergrößerung von 80x als heller, schmaler und langgestreckter Fleck mit einem sehr hellen Kern sichtbar!
NGC 7331 ist umgeben von einigen Hintergrundgalaxien, die weit hinter ihr platziert sind. Nur 3,3´ nordöstlich von NGC 7331 finden wir mit einem 16-Zöller die Galaxie NGC 7335, die 292 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist und am 13. September 1784 von Wilhelm Herschel entdeckt wurde. Sie hat einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahre und mit einem 17,5-Zöller war sie bei V=300xWw als eine kleine und ovale Galaxie mit schwachen Kern zu sehen. Nur 5´ vom Zentralbereich der Galaxie NGC 7331 in südöstliche Richtung steht die Galaxie NGC 7337. Sie wurde am 10. September 1849 von George Johnstone Stoney entdeckt und ist 304 Millionen Lichtjahre von uns entfernt! Sie hat einen Durchmesser von 90.000 Lichtjahre und ist in einem 17,5-Zöller bei einer Vergrößerung von 300xWw als eine kleine und runde Galaxie mit sternförmigen Kern sichtbar. Eine weitere Hintergrundgalaxie finden wir 8´ östlich von NGC 7331. NGC 7340 wurde ebenfalls am 10. September 1849 von George Johnstone Stoney entdeckt und befindet sich in 296 Millionen Lichtjahren Entfernung. Sie hat einen Durchmesser von 75.000 Lichtjahre und ist in einem 17,5-Zöller bei V=300xWw als eine kleine und runde Galaxie mit schwachen Kern zu sehen.
Wenn wir einen Vierzöller 4,3° von ε-Pegasi in nordwestliche Richtung schwenken, kommen wir zum Kugelsternhaufen M 15, der am 7. September 1746 von Maraldi entdeckt wurde und 30.000 Lichtjahre von uns entfernt ist. In seinem Zentrum befindet sich ein 4.000 Sonnenmassen schweres schwarzes Loch! Die  Sterne des Kugelhaufens sind so dicht gedrängt, dass man ihn mit einem Vierzöller nicht auflösen kann. Erst mit einem 8-Zöller ab einer Vergrößerung von 80x kann der Kugelhaufen bis zum Kern hin aufgelöst werden. Als kleines, helles und diffuses Wölkchen erkennt man ihn bereits mit einem 12x50 Feldstecher.
Rund 7,4° nordwestlich von α-And und 7,5° nordöstlich von β-Peg kommen wir zum Stern 72-Peg. Nur 57´ südsüdöstlich von 72-Peg finden wir bereits mit einem 8-Zöller den planetarischen Nebel Jones 1. Er wurde 1941 von Rebecca Jones entdeckt. Im 8-Zöller ist er bei einer Vergrößerung von 31xWw+OIII (-Filter) ein ziemlich heller, relativ runder und großer Nebel mit zwei Verdichtungen, wovon eine etwas heller ist. Im 14-Zöller war er bei V=75xWw+OIII (-Filter) wie ein Hufeisen zu sehen, welches sehr hell war.
Objekt
RA
Dekl.
Dimension
Mag.
Art
M 15
 
NGC 7331
 
NGC 7335
 
NGC 7337
 
NGC 7340
 
Jones 1
21h30m
 
22h37m
 
22h37m
 
22h37m
 
22h38m
 
23h36m
+12°10´
 
+34°25´
 
+34°27´
 
+34°22´
 
+34°26´
 
+30°28´
12,3´
 
10,5 x 3,7´
 
1,3 x 0,6´
 
1,1 x 0,9´
 
0,9 x 0,6´
 
332“
6m0
 
9m5
 
13m3
 
14m4
 
13m7
 
12m1v
KH
 
G
 
G
 
G
 
G
 
PN
Tabelle 3: Daten der beschriebenen Deep-Sky-Objekte

Allen Beobachtern wünsche ich wieder viel Spaß beim Aufsuchen und beobachten, der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!
Volkssternwarte Langwedel e.V.
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Kontakt
Vorsitzender:
Andreas Kaczmarek

Tel. 0152 / 55662836
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