Das vierte Himmelsquartal 2026
Zwei Plejaden-Bedeckungen / Saturn in Opposition
Sternhimmel
Hoch im Meridian sehen wir nun wieder den Pegasus, das fliegende Pferd der griechischen Mythologie. In östlicher Richtung schließt sich die Andromeda mit der berühmten Andromeda-Galaxie an, die man an dunklen Beobachtungsplätzen schon mit dem bloßen Auge gut erkennen kann. Südlich der Andromeda finden wir die kleinen Sternbilder Dreieck und Widder. Südwestlich vom Pegasus-Quadrat erkennt man nur schwach den Wassermann und südöstlich das Sternbild der Fische. Südlich der Fische verteilen sich die Sterne des lichtschwachen Walfischs. Nördlich des Pegasus fast im Zenit ist unschwer die Kassiopeia erkennbar. Sämtliche Sommersternbilder wie Schwan, Leier und Adler haben sich in den Westteil des Himmels zurückgezogen. Gut zu sehen ist dafür noch das zirkumpolare Sternbild Kepheus. Am Osthimmel kann man schon die Boten der kommenden Jahreszeit erkennen. Allen voran der Fuhrmann zusammen mit dem Stier und dem Sternbild Perseus. Der Große Wagen, der ja Teil des Großen Bären ist, durchläuft nun wieder seinen tiefsten Punkt über dem nördlichen Horizont. Web-Stellarium
Eine kleine Orientierungshilfe am Sternhimmel und Erklärungen zu den auffälligsten Sternbilder findet man hier.
Meteore
Dieser recht lichtschwache Sternhimmel, der uns die herbstliche Möglichkeit bietet aus unserer galaktischen Ebene hinaus in die Tiefen des Alls zu blicken, wird vom 2. Oktober bis 7. November von den Sternschnuppen der Orioniden verziert, die ihr Maximum am 22. Oktober mit einer ZHR von 25 bis 30 Objekten pro Stunde haben werden. Es handelt sich um sehr schnelle Objekte mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 65 km/s und stammen vom Kometen 1P/Halley. Leider werden sie in der ersten Nachthälfte vom Mond gestört.
Vom 13. bis 30. November übernehmen dann die Leoniden, die ihr spitzes Maximum am Morgen des 17. November mit einer ZHR von 10 bis 15 Objekten haben werden. Sie sind mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 70 km/s ebenfalls sehr schnelle Objekte und stammen vom Kometen 55P/Tempel-Tuttle. Da sie erst in der zweiten Nachthälfte aktiv sind, werden sie nicht vom Mond gestört.
Die Geminiden werden schließlich vom 7. bis 17. Dezember aktiv und haben mit einer ZHR von 150 ihr Maximum in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember. Es ist auch mit einigen hellen Objekten zu rechnen! Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 35 km/s ziehen sie mit moderater Geschwindigkeit über den Sternhimmel. Sie stammen vom Planetoiden (3200) Phaeton – einem inaktiven Kometenkern. Sie kann man dieses Jahr völlig ungestört vom Mond beobachten!
Ereignisse
Zweimal wird es in diesem Quartal zu Plejaden-Bedeckungen durch den Mond kommen! Zunächst wird der fast volle Mond in der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober gegen 02.30 MEZ den nördlichen Teil des offenen Sternhaufens der Plejaden bedecken (siehe Abb.1). Das zweite Mal können wir solch ein Ereignis in der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember gegen 23.55 MEZ beobachten (siehe Abb.2)!
Planeten
Von Mitte bis Ende November können wir den kleinen flinken Planeten Merkur morgens am besten vom 16. bis 26. November beobachten. Die größte westliche Elongation fällt mit 19°37´ zwar ziemlich gering aus, da die morgendliche Ekliptik aktuell aber ziemlich steil steht, reicht es für eine gute Beobachtungszeit! Der anfangs nur 0m6 helle Merkur wird seine Helligkeit bis 20. November noch bis -0m6 steigern. Bereits am 18. November erreicht er mit einem scheinbaren Durchmesser von 7,2“ seine Halbphase (Dichotomie). Am Monatsende wird sein Durchmesser auf 5,3“ zurückgegangen sein bei einer 85% beleuchteten Planetenscheibe.
Schon am 4. Oktober wird der Ringplanet Saturn im Sternbild Walfisch in Opposition stehen! Mit einer Helligkeit von 0m4 und einem scheinbaren Äquatordurchmesser von 19,7“ ist er nun wieder ein helles Objekt am Herbsthimmel! Deutlich kann man erkennen, dass er keine kugelförmige Gestalt hat, sondern mit einem scheinbaren Poldurchmesser von 17,6“ deutlich oval erscheint. Sein Ring ist nun schon wieder 7,5° von uns aus gesehen geöffnet und er hat einen scheinbaren Durchmesser von 44,8“ auf den wir von Süden her blicken. Zum Zeitpunkt der Opposition ist Saturn 1,26 Milliarden Kilometer von uns entfernt und sein Licht benötigt 1 Stunde und 10 Minuten bis zur Erde! Seinen größten und hellsten Mond Titan kann man schon in einem Vierzöller gut sehen!
Der grünliche Gasplanet Uranus wird dann am 26. November im Sternbild Stier in Opposition stehen. Mit einer Helligkeit von 5m6 kann er an einem dunklen Beobachtungsplatz gut mit dem bloßen Auge aufgefunden werden, aber bei einem scheinbaren Durchmesser von 3,8“ kann man mit herkömmlichen Amateurteleskopen nicht viel auf seiner Oberfläche erkennen. Die hellsten fünf Monde kann man allerdings bereits ab einer Öffnung von etwa 30 Zentimeter um den Oppositionszeitpunkt erkennen! Viel deutlicher natürlich fotografisch. Zur Opposition trennen ihn rund 2,8 Milliarden Kilometer von uns. Entdeckt wurde er 1781 vom deutsch-britischen Astronomen Wilhelm Herschel als erster Planet per Teleskop.
Immer noch gut zu sehen ist der bläuliche Gasplanet Neptun, der seine Opposition gerade hinter sich hat (26. September). Sein scheinbarer Durchmesser geht leicht von 2,4“ auf 2,3“ zurück und seine Helligkeit verharrt bei 7m8. Werte, bei denen man auch bei ihm selbst mit einem 16-Zöller keine Oberflächenstrukturen erwarten kann. Seinen größten Mond Triton kann man aber schon in einem 12-Zöller gut auffinden.
Planetoiden
Drei Kleinplaneten erreichen im vierten Himmelsquartal während ihrer Opposition mindestens eine Helligkeit von 10m0. Zunächst wird (4) Vesta am 13. Oktober im Walfisch diese Stellung erreichen. Sie wurde am 29. März 1807 vom Bremer Arzt Heinrich Wilhelm Olbers in Bremen entdeckt, hat die Abmessungen 569 x 554 x 453 Kilometer und dreht sich in 5,342 Stunden einmal um sich selbst. Benannt wurde sie nach der griechischen Göttin von Heim und Herd und war in der griechischen Mythologie die Schwester von Ceres. Die Helligkeit von 6m5 während der Oppositionszeit erlaubt es sogar bereits mit einem 10 x 50 Fernglas diesen Himmelskörper ohne Probleme zu beobachten! Am 15. Juli 2011 schwenkte die Raumsonde Dawn in eine Umlaufbahn und sendete unter anderem spektakuläre Bilder zur Erde. Vermutlich ist Vesta der Mutterkörper der Meteoriten der HED-Gruppe (Howardite, Eukrite, Diogenite), die wie auf der Erde magmatische Gesteine sind. Einmal in 3,63 Jahren wandert sie um die Sonne.
Am 4. Oktober wird dann (2) Pallas ebenfalls im Walfisch in Opposition stehen. Auch sie wurde am 28. März 1802 vom Bremer Arzt Heinrich Wilhelm Olbers in Bremen entdeckt und hat einen Durchmesser von 513 Kilometer. Sie ist nach Ceres und Vesta der drittgrößte Kleinplanet und benötigt 4,62 Jahre einmal um die Sonne! Benannt wurde sie nach der Göttin Pallas Athene.
Als dritter Kleinplanet wird (230) Athamantis am 6. Dezember im Sternbild Stier in Opposition stehen. Sie wurde am 3. September 1882 von Leo Anton Carl de Ball an der Sternwarte Bothkamp bei Kiel entdeckt und hat einen Durchmesser von 115 Kilometer. Benannt wurde sie nach Helle, der Tochter von Athamas, dem König von Theben. Um die Sonne wandert sie einmal in 3 Jahren und 248 Tagen.
Alle wichtigen Daten zum Auffinden und Beobachten habe ich in Tabelle 1 zusammengefasst.
Tabelle 1: Daten der beschriebenen Kleinplaneten
Planetoid | Datum | RA | Dekl. | Mag. | Konst. |
(2) Pallas (4) Vesta (230) Athamantis | 01.10. 05.10. 10.10. 10.10. 15.10. 20.10. 01.12. 05.12. 10.12. | 01h28m 01h25m 01h21m 01h35m 01h30m 01h25m 04h58m 04h54m 04h49m | -12°21´ -13°27´ -14°46´ -02°55´ -03°22´ -03°44´ +18°58´ +18°31´ +17°59´ | 8m3 8m2 8m2 6m5 6m5 6m5 10m1 10m0 10m1 | Cet Cet Tau |
Mondlose Zeit
Zur Beobachtung der Deep-Sky-Objekte benötigen wir wieder einen dunklen und mondlosen Himmel. Diese Zeiten habe ich in Tabelle 2 zusammengestellt.
Tabelle 2: Mondlose Beobachtungszeit
03. bis 17. Oktober | 31. Okt. bis 14. Nov. | 29. Nov. bis 13. Dez. | ab 28. Dezember |
Deep-Sky-Objekte
Diesmal soll uns unsere Deep-Sky-Tour in das unscheinbare Sternbild Fornax (Chemischer Ofen) führen, welches Mitte November gegen 23.00 Uhr in unseren Breiten seinen Meridiandurchgang hat. Seine beiden Hauptsterne α-For und β-For haben Helligkeiten von nur 3m8 bzw. 4m4 und sind somit nicht unbedingt die hellsten Objekte in dieser Himmelsregion. Das Sternbild gehört nicht zu den antiken Sternbildern, die schon im alten Griechenland bekannt waren, sondern wurde erst im Jahre 1763 unter dem Namen Fornax Chimiae von Nicolas Louis de Lacaille eingeführt und ist als Ganzes erst in Süddeutschland sichtbar! Eine Sternkette aus den Sternen τ1 bis τ9 im Sternbild Eridanus weist uns den Weg zu unserem ersten Beobachtungsobjekt am heutigen Abend (siehe hier).
Rund 4,2° südlich vom Stern τ5-Eri finden wir bereits mit einem 6-Zöller und einem OIII-Filter den großen planetarischen Nebel NGC 1360 mit dem liebevollen Namen „Ei des Rotkehlchens“. Er wurde 1859 vom Astronomen Lewis Swift entdeckt und ist 1.300 Lichtjahre von uns entfernt. Mittlerweile löst sich dieser Nebel nach 10.000 Jahren wohl langsam auf, da man bei Dichtemessungen nur noch 130 Wasserstoffatome pro Kubikzentimeter gemessen hat. Er vermischt sich langsam mit dem interstellaren Medium. Sein Durchmesser beläuft sich aktuell auf etwa 3 Lichtjahre. In meinem Achtzöller ist er bei einer Vergrößerung von 31xWw+OIII(-Filter) ein heller, großer, homogener und ovaler Fleck, bei dem sogar der Zentralstern zu sehen ist! Mit einem 17,5-Zöller ist er bei V=63xWw+OIII(Filter) ein ovaler Nebel mit hellem Zentrum, der zum Rand hin schwächer wird. Er ist dann relativ groß und man kann zwei Sterne in ihm erkennen.
Schieben wir unser Teleskop von NGC 1360 5,6° in
südwestliche Richtung, kommen wir automatisch zum 3m8 Stern α-For. Von hier sind
es weitere 5,7° in südwestliche Richtung und wir kommen zur schönen
Balkenspiralgalaxie NGC 1097, die am
9. Oktober 1790 vom deutsch-britischen Astronomen Wilhelm Herschel entdeckt
wurde und 45 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist. Mit einem supermassereichen
schwarzen Loch mit 140 Millionen Sonnenmassen, zählt sie zur Gruppe der
Seyfert-Galaxien. Um dieses schwarze Loch herum existiert ein leuchtender Ring
aus Sternbildungsregionen mit einem Durchmesser von 5.000 Lichtjahren. Ein
stetiger Materialzufluss von hier zum zentralen Balken sorgt auch heute noch
für starke Sternentstehung. Der Durchmesser der Galaxie wird mit 125.000
Lichtjahren angegeben. Mit einem 16-Zöller konnte ich diese Galaxie auf La
Palma bei einer Vergrößerung von 200xWw als edge-on Galaxie erkennen, die relativ
hell und klein war. Hierbei handelt es sich natürlich um den zentralen Balken.
Fotografisch kann man schon mit einem Fünfzöller am Ende eines Spiralarms die
Begleitgalaxie NGC 1097A erkennen, die mit NGC 1097 in Wechselwirkung steht.
Unser letztes Objekt finden wir 8,5° südöstlich vom Stern α-For – die sogenannte „Propellergalaxie“ NGC 1365. Sie wurde am 24. November 1826 vom schottischen Astronomen James Dunlop entdeckt und ist 68 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Auch sie ist eine Balkenspirale mit einem supermassereichen schwarzen Loch, die einen Durchmesser von rund 200.000 Lichtjahren hat. In ihren Spiralarmen enthält sie unzählige junge Sternhaufen, wo tausende junge und helle Sterne in den letzten 10 Millionen Jahren entstanden sind! Schon mit einem Fünfzöller kann man fotografisch auf La Palma eine wunderschöne Balkenspirale erkennen!
NGC 1365 im Chemischen Ofen; © Andreas Kaczmarek
Wie immer wünsche ich allen Lesern wieder viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!
Objekt | RA | Dekl. | Dimension | Mag. | Art |
NGC 1097
NGC 1360
NGC 1365 | 02h46m
03h33m
03h34m | -30°17´
-25°52´
-36°08´ | 9,4 x 6,6´
360 x 270“
11 x 6,2´ | 10m3
9m6
10m3 | G
PN
G |
Merke: Sämtliche Fotos und Fernrohrzeichnungen stammen
vom Autor und die Aufsuchkarten und Grafiken wurden mit Guide 9.1 und Sky
Safari erstellt.
