1. Himmelsquartal - Volkssternwarte Langwedel

Northern Lights
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Das erste Himmelsquartal 2026
Plejadenbedeckung / Jupiter in Opposition

Sternhimmel
Majestätisch ist nun bei Beginn der Dunkelheit wieder der Himmelsjäger Orion hoch im südlichen Meridian zu sehen. Nur etwas südlich seiner drei Gürtelsterne kann man bereits mit einem 10 x 50 Fernglas auch aus dem Stadtrand heraus das diffuse Leuchten des berühmten Orionnebels in seinem Schwertgehänge erkennen! Zu seinen Füßen erkennt man von dunkleren Beobachtungsplätzen das unscheinbare Sternbild Hase. Östlich davon leuchtet der hellste Stern des gesamten Sternhimmels Sirius im Großen Hund, der den Orion bei seiner Jagd am Himmel begleitet. Etwas nordöstlich von Sirius finden wir den hellen Stern Procyon im Kleinen Hund, der Orion ebenfalls begleitet. Nordwestlich von Procyon finden wir mit Castor und Pollux die Zwillinge, in deren Sternbild dieses Jahr ein auffälliges drittes Gestirn zu finden ist – der Jupiter. Lassen wir unseren Blick von hier aus nach Westen schweifen, finden wir einen weiteren hellen Stern – Capella im Sternbild Fuhrmann. Schauen wir nun weiter in südwestliche Richtung, kommen wir zu einer V-förmigen Anordnung von Sternen mit einem deutlich sichtbaren hellen, roten Stern – dem Aldebaran im Kopf des Stieres. Die Sterne Capella im Fuhrmann, Aldebaran im Stier, Rigel im Orion, Sirius im Großen Hund, Procyon im Kleinen Hund und Pollux in den Zwillingen bilden das sogenannte Wintersechseck. Sämtliche Herbststernbilder sind mittlerweile weit in den Westteil des Sternhimmels gewandert. Auch die Cassiopeia ist wieder auf ihrem Weg Richtung Nordhorizont. Im Osten sind bereits die ersten Frühlingssternbilder zu sehen. Allen voran das Sternbild Löwe. Der Große Wagen im Großen Bär hat den halben Weg bis zum Zenit bereits wieder hinter sich. Web-Stellarium
Eine kleine Orientierungshilfe am Sternhimmel und Erklärungen zu den auffälligsten Sternbilder findet man hier.
Der Mond - Geheimnisvoller Begleiter unserer Erde
Meteore
Von Jahresanfang bis 10. Januar wird dieser spektakuläre Sternhimmel von den Sternschnuppen der Quadrantiden verziert, die am 3. Januar ihr spitzes Maximum mit einer ZHR von bis zu 110 Objekten haben werden. Diesmal wird die Beobachtung allerdings erheblich vom Vollmond gestört. Der Ausstrahlungspunkt (Radiant) lag ursprünglich im alten Sternbild Mauerquadrant, das heute im Bereich des Sternbilds Bootes liegen würde, weshalb diese Sternschnuppen auch Bootiden genannt werden. Ihren Ursprung haben sie im Asteroiden 2003 EH1, einem inaktiven Kometenkern und haben eine Eintrittsgeschwindigkeit von 40 km/s.

Ereignisse
Am 27. Januar kann man wieder eine Plejadenbedeckung durch den Mond beobachten! Am besten mit einem 10 x 50 Fernglas kann man sehen, wie der Mond über die nördlichen Partien der Plejaden wandert. Mit der dunklen Seite voran bedeckt der zunehmende Mond die Sterne Taygeta, Asterope und Sterope (siehe Abb. 1).

Planeten
Vom 8. bis 24. Februar wird der innerste Planet Merkur eine beschauliche Abendsichtbarkeit haben. Da die abendliche Ekliptik aktuell sehr steil steht und seine östliche Elongation 18°07´ beträgt, kann man ihn dennoch gut über dem westlichen Horizont auffinden. Am 19. Februar wird er mit einem scheinbaren Durchmesser von 7,2“ in seiner Halbphase (Dichotomie) stehen. Im Laufe seiner Sichtbarkeit wird seine Helligkeit von anfangs -1m1 auf 0m5 zurückgehen.
Ab Mitte Februar wird auch langsam unser Nachbarplanet Venus wieder über dem südwestlichen Horizont sichtbar. Am 27. Februar begegnet sie dem flinken Merkur rund 4,4° südlich. Bis Ende März wird ihr scheinbarer Durchmesser auf 11“ wachsen und ihre Helligkeit auf -3m9 steigen.
Der Riesenplanet Jupiter wird bereits am 10. Januar in Opposition stehen. An diesem Tag wird er 633 Millionen Kilometer von uns entfernt sein und somit sein Licht 35 Minuten zu uns unterwegs sein! Mit -2m7 leuchtet er wie erwähnt in den Zwillingen und schon mit einem Vierzöller kann man erkennen, dass er wegen seiner schnellen Rotation nicht kugelrund, sondern an den Polen etwas abgeplattet ist. In Zahlen bedeutet das, dass sein Äquatordurchmesser 46,6“ und sein Poldurchmesser nur 43,6“ beträgt! Interessant ist die Beobachtung seiner Wolkenstrukturen, seinem großen roten Fleck und die Erscheinungen seiner vier hellsten Monde Io, Europa, Ganymed und Kallisto.

Planetoiden
Fünf Kleinplaneten werden während ihrer Opposition im ersten Himmelsquartal mindestens 10m0 hell und können somit bereits mit einem 10 x 50 Fernglas an einem dunklen Beobachtungsplatz aufgesucht werden! Den Anfang macht (40) Harmonia gleich am 2. Januar im Sternbild Zwillinge. Sie wurde am 31. März 1856 von dem deutsch-französischen Astronomen Hermann Mayer Salomon Goldschmidt in Paris entdeckt und hat einen Durchmesser von 111 Kilometer. Benannt wurde sie nach der Tochter von Ares und Aphrodite, der Frau von Kadmos, dem Gründer von Theben. Sie brachte Kunst und Musik nach Griechenland. Am 23. Januar wird (44) Nysa im Sternbild Krebs in Opposition stehen. Sie wurde am 27. Mai 1857 ebenfalls von Goldschmidt in Paris entdeckt und hat einen Durchmesser von 71 Kilometer. Benannt ist sie nach einem Ort aus der griechischen Mythologie. Die Nymphen von Nysa sollen den jungen Dionysos erzogen haben. (7) Iris wird am 27. Februar im Sternbild Sextant in Opposition stehen. Sie wurde am 13. August 1847 von John Russell Hind in London entdeckt und ist rund 200 Kilometer groß! Benannt wurde sie nach der Personifizierung des Regenbogens. Sie war die Botin der griechischen Götter. Am 19. September 1852 wurde (20) Massalia von Annibale de Gasparis in Neapel entdeckt. Am 21. März wird sie nun in der Jungfrau in Opposition stehen und hat einen Durchmesser von 136 Kilometer. Benannt wurde sie nach dem griechischen Namen der Stadt Marseille. Als letzte wird (15) Eunomia am 25. März im Sternbild Becher ihre Opposition erreichen. Sie wurde am 29. Juli 1851 ebenfalls von Annibale de Gasparis in Neapel entdeckt und hat einen Durchmesser von 232 Kilometer! Sie ist benannt nach einer der Horen, die die Personifizierung von Ordnung und Gesetz waren. Sie waren Göttinnen, die das geregelte Leben der Menschen überwachten. Am Webstuhl sollen sie das Leben eines Menschen bestimmt und gewebt haben. Alle wichtigen Daten zur Beobachtung der beschriebenen Planetoiden habe ich in Tabelle 1 zusammengestellt.

Tabelle 1: Daten der beschriebenen Kleinplaneten
Planetoid
Datum
RA
Dekl.
Mag.
Konst.
(7) Iris


(15) Eunomia


(20) Massalia


(40) Harmonia


(44) Nysa
20.02.
25.02.
02.03.
20.03.
25.03.
30.03.
15.03.
20.03.
25.03.
25.12.2025
01.01.
05.01.
20.01.
25.01.
30.01.
10h37m
10h32m
10h27m
11h55m
11h51m
11h46m
12h09m
12h05m
12h00m
07h03m
06h55m
06h51m
08h27m
08h22m
08h17m
-00°53´
-00°27´
+00°02´
-17°19´
-16°57´
-16°32´
-01°37´
-01°05´
-00°33´
+23°19´
+23°47´
+24°01´
+17°58´
+18°28´
+18°58´

9m0
8m9
8m9
9m9
9m9
9m9
9m2
9m0
9m1
9m3
9m1
9m1
8m7
8m6
8m9
Sex


Crt


Vir


Gem


Cnc
Mondlose Beobachtungszeit
Für unsere Deep-Sky-Tour im Sternbild Stier benötigen wir natürlich wieder einen klaren, dunklen und mondlosen Standort. Die mondlosen Zeiträume habe ich wieder in Tabelle 2 zusammengestellt.

Tabelle 2: Mondlose Beobachtungszeit
07. bis 22.  Januar
05. bis 19. Februar
06. bis 21. März
Deep-Sky-Objekte
Unser erstes Ziel der heutigen Deep-Sky-Tour finden wir 13,6° nordwestlich vom Hauptstern Aldebaran im Sternbild Stier. Dieser auffällige offene Sternhaufen mit der Katalognummer M 45 war schon in der Bronzezeit bekannt und hatte bildlich den Weg sogar auf die Himmelsscheibe von Nebra gefunden, um den Menschen bei der Planung ihres Ackerbaus im Laufe der Jahreszeiten zu helfen. Die Plejaden, oder auch Siebengestirn genannt, sind rund 444 Lichtjahre von uns entfernt und etwa 100 Millionen Jahre alt. Sie beinhalten etwas mehr als 400 Mitgliedssterne, wovon mit dem bloßen Auge an einem dunklen Beobachtungsplatz sieben helle Einzelsterne sichtbar sind. Mit einem 10 x 50 Fernglas hat man dann eigentlich den schönsten Anblick, wenn der Sternhaufen das gesamte Gesichtsfeld ausfüllt! Ab einer Teleskopöffnung von 80mm und ohne Nebelfilter lohnt es sich dann nach den Plejadennebeln zu schauen. Blaue Reflexionsnebel, wovon der Nebel um Stern Merope – NGC 1435 - am auffälligsten ist.
Wenn wir unseren Vierzöller nun etwa 8,3° in in östliche Richtung schwenken, kommen wir zum offenen Sternhaufen NGC 1807, der eigentlich ein sogenannter Asterismus ist – die Mitgliedssterne stehen nur zufällig in der gleichen Richtung von uns aus gesehen. Er wurde am 25. Januar 1832 von John Herschel entdeckt und seine Mitglieder verteilen sich locker in einer Entfernung von 6.400 Lichtjahren. Verteilt auf einer Himmelsfläche von 15 Bogenminuten gehören seine Sterne zu einem einzelnen großen Sternhaufen. Mit meinem 2,5-Zöller war er bei einer Vergrößerung von 26x ein kleiner, lockerer Sternhaufen mit wenig Sternen, der mit dem benachbarten offenen Sternhaufen NGC 1817 in einem Gesichtsfeld zu sehen war.


Fernrohrzeichnung; © Andreas Kaczmarek
Nur 26 Bogenminuten ostnordöstlich von NGC 1807 finden wir den „echten“ offenen Sternhaufen NGC 1817. Er wurde im Februar 1784 vom deutsch-englischen Astronomen Wilhelm Herschel entdeckt und ist rund 5.900 Lichtjahre von uns entfernt. Mit 169 Mitgliedssternen ist er wesentlich sternreicher als sein benachbarter Asterismus NGC 1807. Schon in einem 10 x 50 Fernglas kann man beide Objekte in einem Gesichtsfeld erkennen.
Im Jahre 1054 beobachteten damalige Astronomen nur 1,1° nordwestlich vom Stern ζ-Tau im Sternbild Stier einen „neuen“ Stern, der über mehrere Wochen sogar am Tageshimmel sichtbar gewesen sein muss. Im Jahre 1731 entdeckte John Bevis an besagter Stelle am Himmel einen relativ großen Nebelschimmer. Hiermit war der berühmte Krebsnebel M 1 entdeckt, den unabhängig hiervon Charles Messier im Jahre 1758 auffand und in seinen berühmten Messier-Katalog als erstes Objekt aufnahm. Es handelt sich um einen Supernovarest, der 6.200 Lichtjahre von uns entfernt ist und sich mit einer Geschwindigkeit von 1.500 km/s auch heute noch ausdehnt. Mittlerweile hat er damit eine Größe von 11 mal 7 Lichtjahre erreicht! In seinem Zentrum wurde ein Pulsar entdeckt – der Rest seines ursprünglichen Sterns – der sich 30mal pro Sekunde um seine eigene Achse dreht! Unter folgender Adresse findet man ein interessantes Video von Detlef Hartmann, in dem man die Bewegungen der Nebelmassen im Krebsnebel über die Jahre gut erkennen kann (M1: Der expandierende Krebsnebel – Weltraumbild des Tages). In meinem 2,5-Zöller war er bei V=46x bei indirektem Sehen so groß wie der Hantelnebel M 27. In meinem Achtzöller sind bei einer Vergrößerung von 57xWw+UHC (-Filter) verschiedene Helligkeitszonen zu erkennen. Er ist dann groß, hell und oval zu sehen.
Unser letztes Objekt für den heutigen Abend finden wir 3,4° ostsüdöstlich vom Stern ζ-Per. Es ist der planetarische Nebel NGC 1514, den Edward Charles Pickering 1879 entdeckt hat. Der auch „Kristallkugel“ genannte Nebel ist 1.519 Lichtjahre von uns entfernt und hat einen Durchmesser von einem halben Lichtjahr. Der ursprüngliche Stern, aus dem dieser hübsche Nebel hervorgegangen ist, hatte einst 2,2 Sonnenmassen. Schon in meinem Achtzöller ist er bei einer Vergrößerung von 83xWw+OIII (-Filter) mit Struktur zu sehen und auch der Zentralstern ist ohne Mühe sehr schön zu erkennen!

NGC 1514; © Andreas Kaczmarek
Ich wünsche allen wieder viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!
Tabelle 3: Daten der beschriebenen Deep-Sky-Objekte im Stier
Objekt
RA
Dekl.
Dimension
Mag.
Art
M 1
M 45
NGC 1514
NGC 1807
NGC 1817
05h35m
03h47m
04h09m
05h11m
05h14m
+22°01´
+24°07´
+30°47´
+16°31´
+16°43´
6 x 4´
1,7°
132“
15´
9,3´
8m4
1m6
10m0
7m0
7m7
SNR
OH
PN
OH
OH
Merke: Die Aufsuchkarten sind mit Guide 9.1 und Sky Safari entstanden. Sämtliche Fotos sind vom Autor.
Volkssternwarte Langwedel e.V.
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Vorsitzender:
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Tel. 0152 / 55662836
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