Volkssternwarte Langwedel e.V.

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Aktueller Himmel Seite 3/3

Planetoiden

Sieben Kleinplaneten erreichen im zweiten Quartal ihre Oppositionsstellung zur Sonne! Den Anfang macht (7) Iris am 5. April im Sternbild Rabe. Sie hat einen Durchmesser von 200 Kilometern und wurde am 13. August 1847 von Hind in London entdeckt. Nur fünf Tage später am 10. April steht (2) Pallas im Sternbild Bootes in Opposition. Sie wurde am 28. März 1802 von Wilhelm Olbers in Bremen entdeckt und hat einen Durchmesser von 550 Kilometer. Es wird vermutet, dass es sich genauso wie bei (4) Vesta um einen Protoplaneten handelt. Am 24. April kommt dann (44) Nysa im Sternbild Jungfrau in Opposition. Dieser mit 71 Kilometer relativ kleine Planetoid wurde am 27. Mai 1857 von Goldschmidt in Paris entdeckt. Danach finden wir dann (8) Flora am 12. Mai in der Waage in Opposition. Dieser 150 Kilometer große Brocken wurde am 18. Oktober 1847 von Hind in London entdeckt. Zwei weitere Kleinplaneten gesellen sich während ihrer Oppositionen ins Sternbild Waage zu (8) Flora. Bereits am 14. Mai finden wir dort (11) Parthenope, die 140 Kilometer groß ist und am 11. Mai 1850 von de Gasparis in Neapel entdeckt wurde. Am 20. Mai steht dort dann auch (20) Massalia in Opposition. Sie wurde am 19. September 1852 ebenfalls von de Gasparis in Neapel entdeckt und hat ebenfalls einen Durchmesser von 140 Kilometern. Der am 1. Januar 1801 von Piazzi in Palermo erstentdeckte seiner Klasse (1) Ceres wird am 29. Mai im Sternbild Schlangenträger in Opposition stehen. Er hat einen Durchmesser von 964 Kilometer und wird seit 2006 zur Gruppe der Zwergplaneten gezählt. Benannt ist sie nach der römischen Göttin des Ackerbaus und wurde von 2015 bis 2018 durch die Raumsonde Dawn genauestens untersucht. Alle wichtigen Daten zur Auffindung der beschriebenen Kleinplaneten habe ich in Tabelle 1 zusammengetragen.

Tabelle 1: Daten des beschriebenen Planetoiden

Planetoid

Datum

α

h m

δ

Mag.

Konst.


(1) Ceres

25.05.

30.05.

05.06.

16 27

16 23

16 17

-17°34´

-17°41´

-17°50´

7,0

7,0

7,1


Oph


(2) Pallas

05.04.

10.04.

15.04.

13 59

13 55

13 52

+16°43´

+18°10´

+19°30´

7,9

7,9

7,9


Boo

(7)  Iris

01.04.

05.04.

10.04.

12 47

12 43

12 39

-13°28´

-13°02´

-12°28´

9,4

9,4

9,4


Crv

(8)  Flora

05.05.

10.05.

15.05.

15 29

15 24

15 19

-10°07´

-09°50´

-09°35´

9,8

9,7

9,7


Lib

(11)  Parthenope

10.05.

15.05.

20.05.

15 34

15 30

15 25

-11°26´

-11°10´

-10°56´

9,6

9,5

9,6


Lib

(20)  Massalia

15.05.

20.05.

25.05.

15 53

15 48

15 43

-19°36´

-19°19´

-19°02´

9,9

9,7

9,9


Lib

(44)  Nysa

20.04.

25.04.

30.04.

14 19

14 14

14 10

-07°16´

-06°51´

-06°27´

9,9

9,9

10,0

Vir

Deep-Sky-Objekte
Um nun die Deep-Sky-Objekte im Sternbild Löwe gut beobachten zu können, benötigen wir wieder einen dunklen und mondlosen Himmel. Diese Zeiten habe ich in Tabelle 2 zusammengestellt.

Tabelle 2: Mondlose Beobachtungszeit

bis 8. April 22. April bis 7. Mai 22. Mai bis 7. Juni ab 22. Juni

Auf unserer heutigen Deep-Sky-Tour begeben wir uns mit unserem Teleskop in den Kopf- und Brustbereich des Sternbilds Löwe. Zunächst schwenken wir das Instrumentarium von ε-Leonis rund 3,3° in westsüdwestliche Richtung und kommen zum Stern λ-Leonis. Von hier sind es nur noch 1,5° in südliche Richtung und wir sind bei unserem ersten Highlight des Abends. In einer Entfernung von 25 Millionen Lichtjahren sehen wir hier bereits mit einem 2,5-Zöller die Balkenspiralgalaxie NGC 2903, die einen Durchmesser von 80.000 Lichtjahren hat und am 16. November 1784 von Wilhelm Herschel entdeckt wurde. Bereits bei einer Vergrößerung von 26x ist dann die längliche Form zu sehen. Sie bildet ein rechtwinkliges Dreieck mit zwei hellen Sternen. In einem 17,5-Zöller sind dann bei V=227xWw auch die beiden Spiralarme und der zentrale Balken sichtbar! Bewegen wir uns nun mit dem Teleskop den Nacken des Löwen hinunter bis zum Stern ζ-Leonis. Rund 2° in südsüdöstliche Richtung finden wir auf halben Weg zum Stern γ-Leonis die Galaxiengruppe Hickson 44, deren hellste Mitglieder NGC 3190 und NGC 3193 bereits in einem 8-Zöller zu sehen sind! NGC 3190 wurde am 12. März 1784 von Wilhelm Herschel entdeckt und ist 70 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. NGC 3193 wurde am gleichen Abend von Wilhelm Herschel entdeckt, ist aber 90 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und es wird deshalb vermutet, dass sie nicht physikalisch zur Gruppe gehört. Bei einer Vergrößerung von 80x sind NGC 3190 und NGC 3193 zwei nahezu runde und lichtschwache Galaxien, die in einem Gesichtsfeld stehen. Im 17,5-Zöller bei einer Vergrößerung von 298xWw ist NGC 3190 als helle, strukturierte edge-on Galaxie zu sehen mit einem hellen Kern. Sie ist dann auch deutlich als hellstes Mitglied der Vierergruppe zu sehen. NGC 3193 ist im 16-Zöller bei V=230xWw als helle, runde und große Galaxie mit einem hellen Kern zu erkennen. NGC 3185 wurde 1850 zusammen mit NGC 3187 von George Stoney entdeckt. NGC 3185 ist 69 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und hat einen Durchmesser von 55.000 Lichtjahren. Bei ihr handelt es sich um eine sogenannte Seyfert 2 Galaxie. Einer Galaxie also, die einen aktiven galaktischen Kern hat dessen Aktivität der der Quasare, nur mit viel schwächeren Ausmaß, ähnelt. Bei ihr blicken wir allerdings auf die Kante, wodurch ihr aktiver Kern durch ihren Staubtorus im optischen verdeckt wird. NGC 3187 ist wiederum eine Balkenspirale in einer Entfernung von 70 Millionen Lichtjahren. Im 8-Zöller ist NGC 3185 bei einer Vergrößerung von 83xWw eine kleine und relativ schwache Galaxie, die eine ovale Form hat und dann mit NGC 3187, NGC 3190 und NGC 3193 in einem Gesichtsfeld steht. Im 16-Zöller ist sie bei V=230xWw eine relativ kleine und runde Galaxie mit einem hellen Kern. NGC 3187 schließlich ist im Achtzöller bei einer Vergrößerung von 80x eine extrem schwache Galaxie mit einem ausgeprägten Kern, bei der aber keine Formbestimmung möglich ist. Im 16-Zöller ist sie aber bei einer Vergrößerung von 302xWw als kleine, runde Galaxie mit einem schwachen Kern zu sehen und die am besten indirekt beobachtet wird. Schwenken wir das Teleskop nun weiter bis zum Stern γ-Leonis. Von hier müssen wir nur 51´ in östliche Richtung wandern und wir sind bei der Doppelgalaxie NGC 3226/7. Sie wurde am 15. Februar 1784 von Wilhelm Herschel entdeckt und ist 60 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Es handelt sich bei ihnen um zwei elliptische Galaxien. Bereits in meinem Achtzöller sind die beiden Galaxien bei einer Vergrößerung von 80x als ziemlich kleine, ovale und lichtschwache Scheibchen ohne hellen Kern zu erkennen und stehen in einem Gesichtsfeld. Unser letztes Objekt für den heutigen Abend finden wir nur 22´ nördlich vom Stern α-Leonis (Regulus). Es ist die Zwerggalxie Leo I (UGC 5470), die 820.000 Lichtjahre von uns entfernt ist und einen Durchmesser von nur 7.000 Lichtjahren hat. Sie ist Mitglied der lokalen Gruppe und der am weitesten entfernte Trabant unserer Milchstraße. Sie wurde 1950 von Wilson am Mount Palomar Observatorium entdeckt und besteht wohl aus 10 Millionen Sternen. Im 16-Zöller ist sie bei einer Vergrößerung von 81xWw eine sehr diffuse, lichtschwache und runde Galaxie, die am besten indirekt und mit knapp außerhalb des Gesichtsfeldes gestellten Regulus erscheint!

 Ich wünsche wieder allen viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!

Andreas Kaczmarek

Tabelle 3: Daten der beschriebenen Deep-Sky-Objekte im Löwen

Objekt

α

h m

δ

Mag

Dimension

Art*


Konst.

NGC 2903

NGC 3226/7

Hickson 44

Leo I

09 33

10 24

10 19

10 09

+21°25´

+19°48´

+21°44´

+12°13´

8,8

11,0

10,4

11,9 x 5,3'

11,7 x 8,5'

G

G's

Gx Gruppe

G


Leo

Ein Klick auf das jeweilige Objekt zeigt die Aufsuchkarte und eine Aufnahme oder Zeichnung des Objekts

*G=Galaxie, GN=Galaktischer Nebel, OH=Offener Sternhaufen, PN=Planetarischer Nebel, KH=Kugelsternhaufen, SNR=Supernovarest, DS=Doppelstern, E=Emissionsnebel, RN=Reflektionsnebel, GG-Galaxiengruppe

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