Volkssternwarte Langwedel e.V.

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Aktueller Himmel Seite 3/3

Planetoiden

Sechs Kleinplaneten werden während ihrer Opposition im dritten Quartal mindestens 10m0 hell. Als erste erreicht diese Position (18) Melpomene am 2. Juli im Sternbild Schild. Sie wurde am 24. Juni 1852 von Hind in London entdeckt und wurde nach der Muse der tragischen Dichtung und des Trauergesangs benannt. Ihr Durchmesser beträgt 140 Kilometer. Am 7. August wird dann (16) Psyche im Sternbild Steinbock in Opposition stehen. Dieser 230 Kilometer große Brocken wurde am 17. März 1852 von de Gasparis in Neapel entdeckt und wurde nach der Gattin des Eros benannt. Die ebenfalls 230 Kilometer große (15) Eunomia erreicht ihre Opposition am 13. August im Wassermann. Sie wurde am 29. Juli 1851 ebenfalls von de Gasparis in Neapel entdeckt und wurde nach einer der Horen von Zeus und seiner Gattin Themis benannt. (39) Laetitia steht am 17. August im Sternbild Steinbock in Opposition. Sie wurde am 8. Februar 1856 von Charcornac in Paris entdeckt und hat einen Durchmesser von 180 Kilometer. Ihr Name bedeutet die Personifizierung der grundlosen Freude. Am 6. September wird dann (135) Hertha im Wassermann in Opposition stehen. Sie wurde am 18. Februar 1874 von Peters in Clinton entdeckt und hat einen Durchmesser von lediglich 79 Kilometern. Bei ihr handelt es sich um eine nordische Göttin. Als letzte erreicht (21) Lutetia am 28. September im Sternbild Fische diese Position. Sie wurde am 15. November 1852 von Goldschmidt in Paris entdeckt und hat einen Durchmesser von 96 Kilometern. Ihre Bezeichnung ist der keltische Name von Paris!

Tabelle 1: Daten des beschriebenen Planetoiden

Planetoid

Datum

α

h m

δ

Mag.

Konst.


(15)Eunomia

10.08.

15.08.

20.08.

21 21

21 16

21 11

-06°02´

-05°58´

-05°56´

8,3

8,2

8,3


Aqr


(16) Psyche

01.08.

05.08.

10.08.

21 10

21 07

21 02

-14°49´

-15°07´

-15°30´

9,5

9,4

9,4


Cap

(18)  Melpomene

25.06.

01.07.

05.07.

18 45

18 39

18 35

-08°35´

-08°52´

-09°31´

9,3

9,2

9,2


Sct

(21)  Lutetia

25.09.

30.09.

05.10.

00 28

00 24

00 20

-03°12´

-03°37´

-03°59´

9,5

9,4

9,6


Psc

(39)  Laetitia

10.08.

15.08.

20.08.

21 44

21 40

21 37

-08°50´

-09°31´

-10°14´

9,3

9,2

9,2


Cap

(135)  Hertha

01.09.

05.09.

10.09.

23 02

22 59

22 54

-06°24´

-06°37´

-06°53´

9,8

9,6

9,8


Aqr

Kometen

Am 27. November 2018 wurde von Africano am Mount Lemmon Observatorium und von Groeller vom Catalina Sky Survey bei einer Helligkeit von 18m2 im Sternbild Jagdhunde ein neuer Komet entdeckt, der nun die Bezeichnung C/2018 W2 (Africano) trägt. Er wird um den 25. August sein Perihel durchlaufen und in die Reichweite kleinerer Amateurteleskope gelangen! Interessant wird seine Beobachtung, wenn er mit einer Helligkeit von etwa 9m3 Anfang September im Kopf des Perseus erscheint und zirkumpolar ist. Sein Weg führt ihn danach in das Sternbild Andromeda, um dann Ende September im Sternbild Pegasus zu landen.

Tabelle2: Daten des Kometen C/2018 W2 (Africano) Ende September 2019

Datum α
h m
δ Mag. Konst.

25.09.

27.09.

29.09.

02.10.

00 11

23 59

23 43

23 21

+20°26´

+15°57´

+09°22´

-00°07´

8,2

8,2

8,2

8,3


Peg

Peg

Peg

Psc

Partielle Mondfinsternis
Das eindrucksvollste Ereignis des dritten Quartals wird bei gutem Wetter aber wohl die partielle Mondfinsternis in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli! Um 21h43m MESZ wird der Mond an diesem Abend aufgehen und wohl nur kurze Zeit später am linken oberen Rand etwas „angeknabbert“ sein. Im Laufe der Finsternis wird er bis zu 66% in den Kernschatten der Erde hineinwandern!

Eintritt in den Kernschatten: 22h01m MESZ
Mitte der Finsternis: 23h31m MESZ
Austritt aus dem Kernschatten: 01h00m MESZ

Deep-Sky-Objekte
Unsere heutige Deep-Sky-Tour führt uns in das kleine Sternbild Schild an der Schwanzfeder des Adlers. Hierfür benötigen wir natürlich wieder einen dunklen und mondlosen Himmel. Diese Zeiten habe ich in Tabelle 3 zusammengetragen.

Tabelle 3: Mondlose Beobachtungszeit

bis 5. Juli 23. Juli bis 5. August 20. August bis 4. September ab 18. September

Südwestlich der Schwanzfedern des Adlers finden wir das unscheinbare Sternbild Schild. Es wurde erstmals 1690 von Johannes Hevelius aufgeführt und ist dem polnischen König Jan III. Sobieski gewidmet, der 1683 bei der Schlacht am Kahlenberg die Stadt Wien von den türkischen Belagerern befreite. Es symbolisiert den Schild, den der König in der Schlacht trug und so lautete die ursprüngliche Bezeichnung „Schild des Sobieski“. Hier wird unsere heutige Deep-Sky-Tour stattfinden!

Zunächst suchen wir mit unserem Teleskop oder Feldstecher den Stern λ-Aql auf und schwenken von dort 1,4° in südwestliche Richtung bis zum Stern 12-Aql. Von dort geht es 1,1° weiter in westliche Richtung bis zum Stern η-Sct. Nur 1,5° weiter in westsüdwestliche Richtung und wir kommen zum offenen Sternhaufen M 11; ein am Rand einer großen Sternwolke der Milchstraße gelegenen, kompaktesten offenen Sternhaufen am gesamten Sternhimmel! Er wurde 1681 von Gottfried Kirch entdeckt und ist 6.000 Lichtjahre von uns entfernt. Rund 250 Millionen Jahre alt ist dieser Sternhaufen, der einen Durchmesser von 18 Lichtjahren hat. Dieser auch Wildentenhaufen genannte Sternhaufen ist bereits in einem 2,5-Zöller bei V=26x als nebliger Fleck mit vier Sternen sichtbar. In meinem Achtzöller ist er dann bei V=57xWw völlig aufgelöst und sehr viel schwache Sterne sind dann auf engsten Raum zu sehen!

Rund 3° südsüdwestlich vom Stern η-Sct finden wir den Kugelsternhaufen NGC 6712, der am 16. Juni 1784 von Wilhelm Herschel entdeckt wurde. Er ist 19.600 Lichtjahre von uns entfernt und hat einen Durchmesser von 53 Lichtjahren. In meinem Achtzöller ist er bei einer Vergrößerung von 57xWw am besten zu erkennen. Auch bei V=80x ist in den Randzonen keine Auflösung sichtbar. Er erscheint als kleiner, lichtschwacher und homogener Fleck.

Nur 24,6 Bogenminuten südöstlich von NGC 6712 finden wir mit einem etwas größerem Amateurteleskop den planetarischen Nebel IC 1295, der am 28. August 1867 von Truman Henry Safford entdeckt wurde. Er ist 3.600 Lichtjahre von uns entfernt und erscheint in einem 17,5-Zöller bei einer Vergrößerung von 167xWw+OIII(-Filter) als ein relativ heller, großer, ovaler und ringförmiger Nebel. Für unser letztes Ziel an diesem Abend schwenken wir unser Teleskop 1,7° von η-Sct in Richtung des Sterns b-Sct, der 2,7° von diesem entfernt ist. Hier finden wir mit einem 16-Zöller den kleinen offenen Sternhaufen NGC 6704, der 3.500 Lichtjahre von uns entfernt ist. Er wurde am 29. Juli 1827 von John Herschel entdeckt. Bei einer Vergrößerung von 81xWw erscheint er in meinem 16-Zöller als ein relativ heller und kleiner Haufen, in dem etwa 25 Sterne zu sehen sind.

Ich wünsche wieder allen viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!

Ihr Andreas Kaczmarek

Tabelle 4: Daten der beschriebenen Deep-Sky-Objekte im Löwen

Objekt

α

h m

δ

Mag

Dimension

Art*

M11

NGC 6704

NGC 6712

IC 1295

18 51

18 51

18 53

18 55

-06°16´

-05°12´

-08°42´

-08°50´

5,8

9,2

8,2

15,0p

13'

6'

7,2'

>86"

OH

OH

KH

PN

Ein Klick auf das jeweilige Objekt zeigt die Aufsuchkarte und eine Aufnahme oder Zeichnung des Objekts

*G=Galaxie, GN=Galaktischer Nebel, OH=Offener Sternhaufen, PN=Planetarischer Nebel, KH=Kugelsternhaufen, SNR=Supernovarest, DS=Doppelstern, E=Emissionsnebel, RN=Reflektionsnebel, GG-Galaxiengruppe

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